Vier Tage Woche – alle nur noch faul?
Paul: Also Henry, vier Tage Woche – da wärst du doch sofort dabei, oder?
Henry: Ist ja auch gerade ein heißdiskutiertes Thema, wenn man in die politische Welt schaut. Aber mal ehrlich: Die Leute schaffen doch da weniger, würde ich jetzt behaupten.
Paul: Na, „faul“ wäre jetzt ein hartes Wort. Man muss sich das Modell genauer angucken. Ich verfolge das bei einigen Bauunternehmen, die da gerade echt weit voraus sind und das schon testen. Auch IT-Unternehmen. Schwierig wird’s halt überall, wo Service dahintersteckt – weil du dann Schichtpläne brauchst. Und wenn alle nur Montag bis Donnerstag arbeiten wollen, funktioniert’s einfach nicht.
Weniger Zeit = mehr Fokus?
Henry: Also aus unserer Erfahrung kann ich sagen: Kollegen, die nur 30 Stunden arbeiten, arbeiten tatsächlich fokussierter. Die wissen, okay, ich hab weniger Zeit, also muss ich priorisieren. Weniger Kaffeeküchengespräche, mehr durchziehen. Und es gibt ja auch Studien aus den nordischen Ländern, die zeigen, dass die Leute in vier Tagen sogar produktiver sind.
Paul: Ja, das kann ich von meiner Frau bestätigen, als die nach der Schwangerschaft verkürzt gearbeitet hat. Wenn die Arbeitslast im Team gleich bleibt und jeder an einem Strang zieht, dann schafft man in der kürzeren Zeit fast genauso viel. Aber – und das ist der entscheidende Punkt – nicht unbedingt mehr. Und ich bin da etwas skeptisch bei dem Modell mit zehn Stunden an vier Tagen. Da bist du einfach am Ende unproduktiver, das ist nachgewiesen.
Henry: Stimmt, kein Mensch ist acht Stunden durchweg produktiv. Irgendwann ermüdet der Kopf, die Augen, der Körper sagt einfach: Jetzt brauch ich mal eine Pause. Und bei zehn Stunden wird das noch schlimmer.
Paul: Meine These wäre deshalb eher: Nicht vier Tage Woche, sondern reduzierte Arbeitszeit auf fünf Tage verteilt. Also sechs Stunden konzentriert statt acht. Das bringt wahrscheinlich mehr als diese Möhre „Freitag frei“, der man die ganze Woche hinterherhechelt.
Gehaltserhöhung im Zeitformat
Paul: Wenn ich mir überlege, was die vier Tage Woche wirklich ist: Es ist eine Gehaltserhöhung. Du tauschst Geld gegen Zeit, das war schon immer so im Verhältnis Arbeitnehmer-Arbeitgeber. Und in dem Moment, wo du von fünf auf vier gehst, kriegst du im Prinzip mehr für die gleiche Leistung.
Henry: Und was ist in zwei Jahren? Dann ist der Freitag frei völlig normal, den schätzt keiner mehr. Wie bei einer echten Gehaltserhöhung – die freut dich drei Monate und dann ist es der neue Standard.
Paul: Genau! Und was ist dann das nächste? Die drei Tage Woche? Also irgendwo muss man schon realistisch bleiben.
Mehr Freizeit = weniger Stress? Nicht so einfach.
Henry: Das mit der Erholung klingt erstmal logisch – ein Tag mehr frei, weniger krank, motivierter. Aber wenn du Kinder hast? Die Schule geht trotzdem fünf Tage, du musst das Kind trotzdem morgens hinbringen. Also ändert sich an deinem Freitag gar nicht so viel, außer dass du halt nicht arbeitest.
Paul: Und hier kommt die spannende Frage: Wenn ich in vier Tagen genauso viel leisten muss wie vorher in fünf, dann hab ich ja mehr Stress in den vier Tagen. Gleicht ein freier Freitag diesen Mehrstress überhaupt aus? Dafür bräuchten wir eigentlich einen Psychologen hier im Podcast!
Henry: Ja, das wäre echt spannend. Ich kann nur von mir sagen: Ob vier oder fünf Tage – ich würde trotzdem das gleiche Feuer in meinen Job legen. Motivationstechnisch macht es für mich keinen großen Unterschied.
Der Bäcker-Test: Wenn alle Freitag frei machen
Paul: Jetzt mal ein konkretes Beispiel: Der Bäcker macht eine vier Tage Woche. Wie findest du das?
Henry: Na ja, früher gab’s Bäcker, die hatten den Montag immer zu. Aber die hatten dafür sechs Tage gearbeitet inklusive Samstag und dann den Montag frei. Mittlerweile gibt’s welche, die auch Sonntag offen haben – richtig Schichtbetrieb. Also von vier Tagen sind die weit entfernt.
Paul: Und wie reagierst du als Kunde, wenn der Bäcker am Sonntag zu hat? Oder am Montag? Erstmal gehst du zum Supermarkt an die Backwarentheke. Und was passiert dann mit dem Bäcker? Den gibt’s irgendwann nicht mehr. Das ist ja das Problem, das die kleinen Bäckereien eh schon haben.
Henry: Genau, und das gilt für jedes kundennahe Unternehmen. Wenn du nur vier Tage erreichbar bist und dein Wettbewerber fünf – dann wissen die Kunden, wo sie hingehen. Das ist vielleicht nicht schlimm, wenn es alle machen. Aber solange das nur einzelne tun, kann es abschreckend wirken.
Unser Fazit: Es kommt drauf an
Die vier Tage Woche ist kein Allheilmittel und keine Faulheits-Garantie. Sie funktioniert dort, wo das Workload gleich bleibt und niemand unter Druck gerät. Aber in Service-Branchen, im Kundenkontakt und überall dort, wo fünf Tage Erreichbarkeit erwartet wird, wird’s kompliziert. Vielleicht ist die bessere Frage gar nicht „vier oder fünf Tage“, sondern: Wie schaffen wir es, dass Menschen in ihrer Arbeitszeit wirklich produktiv und gleichzeitig gesund bleiben?
Was meint ihr? Habt ihr Erfahrung mit der vier Tage Woche? Schreibt’s in die Kommentare! Und wenn ein Psychologe zuhört – meldet euch, wir brauchen euch!
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