Schwanger – und jetzt? Wenn das Privatleben auf den Job trifft
Paul: Nina, du bist jetzt seit über sieben Jahren bei uns und vor knapp drei Jahren Mama geworden. Wenn du dich zurückerinnerst – wie war das damals, als du erfahren hast, dass du schwanger bist? Was ging dir als erstes durch den Kopf, was die Arbeit angeht?
Nina: Ich wusste es relativ früh und mein erster Gedanke war ehrlich gesagt: Ich will es so schnell wie möglich meinem Chef sagen. Nicht weil ich musste, sondern weil mir dein Feedback einfach wichtig war. Ich wollte wissen, wie du darüber denkst – auch wenn es natürlich meine Sache ist.
Paul: Das finde ich cool, dass du so denkst. Aber ich kann mir vorstellen, dass es da auch Arbeitnehmerinnen gibt, die richtig Bauchschmerzen haben, das ihrem Chef zu sagen – aus Angst, dass sie dann weg vom Fenster sind oder dass der Chef sauer reagiert.
Nina: Auf jeden Fall. Bei mir war es zum Glück so, dass es zeitlich sogar ganz gut passte. Das war gegen Ende der Pandemie, die Aufträge gingen eh ein bisschen zurück. Aber ich glaube schon, dass es Kolleginnen gibt, die sich da deutlich mehr einen Kopf machen.

Paul: Ich sage es mal so: Privat ist privat. Man muss sich als Arbeitgeber darauf einstellen, dass Leute Kinder bekommen – Frauen wie Männer. Das ist das unternehmerische Risiko, wenn man Leute einstellt. Und ehrlich gesagt: Wenn sich jemand nicht für seine Mitarbeiter freuen kann, dann läuft da grundsätzlich was falsch. Wichtig ist einfach Transparenz. Je früher man Bescheid weiß, desto besser kann man planen – für alle Seiten.
Anderthalb Jahre zu Hause – und dann?

Paul: Du warst dann anderthalb Jahre in Elternzeit. Wie hast du in der Zeit den Kontakt zur Firma gehalten?
Nina: Ich habe versucht, alle paar Wochen mal vorbeizuschauen – am besten mit Kind, damit die Kollegen auch was davon haben. Außerdem hatte ich mit einigen privat Kontakt, wir haben uns einfach geschrieben. Mich hat auch wirklich interessiert, was in der Firma so passiert. Man will ja wissen, ob sich was verändert hat, ob jemand gegangen ist, wie der allgemeine Zustand ist.
Paul: Das ist tatsächlich super wichtig. Im Arbeitstrott vergisst man – und das klingt jetzt hart – die Leute, die gerade nicht da sind. Man weiß natürlich, in anderthalb Jahren ist die Person wieder da. Aber bis dahin denkt man an seine laufenden Projekte und alles andere. Deswegen ist es immer schön, wenn ab und zu mal ein „Hey, ich bin noch da!“ kommt. Da freuen sich alle, man kann Baby gucken – und es macht die Wiedereingliederung hinterher so viel einfacher.
Das Arbeitszeitmodell: 30 Stunden, Gleitzeit und ein entspannter Morgen
Paul: Wie habt ihr das zu Hause dann organisiert – wer arbeitet wie viel?
Nina: Mein Mann und ich haben uns darauf geeinigt, dass ich mit 30 Stunden die Woche wiedereinsteige. Das war mein Wunsch und ich bin damit zu dir gekommen. Die Gleitzeit war mir dabei besonders wichtig, weil sie uns ermöglicht, unseren Sohn erst um neun in die Kita zu bringen. So haben wir morgens einen entspannten Start – zusammen frühstücken, ohne Hektik. Müsste ich um halb acht auf Arbeit sein, wäre das schlicht nicht möglich.
Unser Sohn geht auch nur sechs Stunden am Tag in die Kita, wird um drei abgeholt. Das funktioniert, weil mein Mann ebenfalls flexible Arbeitszeiten hat. Und hier im Team teilen wir uns den Telefondienst bis 17 Uhr – einen Tag in der Woche arbeite ich lang, das ist für mich völlig in Ordnung. Ich glaube, wenn man von beiden Seiten aufeinander zugeht, findet man fast immer eine Lösung.
Paul: So sehe ich das auch. Das Team muss funktionieren, der Job muss gemacht werden – aber wie man das organisiert, da gibt es heute viel mehr Spielraum als früher. Und wenn ich mir eure Abteilung anschaue: eine Dreifachmama mit 39 Stunden, ein Vater der auch mal verkürzt gegangen ist, du als junge Mama mit 30 Stunden, und ein kinderloser Kollege. Bunt gemischt – und es läuft.
Homeoffice: Segen für Familien – Fragezeichen für die Oma
Nina: Was das Ganze natürlich massiv erleichtert, ist Homeoffice. Ich habe sogar während der Elternzeit immer mal wieder von zu Hause drei, vier Stunden gearbeitet, wenn die Oma aufs Kind aufpassen konnte. Extra ins Büro fahren hätte sich dafür nicht gelohnt – aber von zu Hause konnte ich wenigstens was erledigen.
Obwohl meine Oma mich immer fragt: „Gehst du arbeiten – oder bist du im Homeoffice?“
Paul: Ha! Kenne ich. „Ach, du bist im Homeoffice? Dann kann ich ja vorbeikommen!“ Oder: „Da hast du ja Zeit, Wäsche zu waschen.“ Das Verständnis ist bei der älteren Generation nicht immer da – aber das ist auch okay.
Mir persönlich als Unternehmer und Vater von zwei Kindern hat Homeoffice auch enorm geholfen. Bei meiner Kleinen – die ist jetzt zehn – war es noch richtig schwierig. Wir haben gerade den Fachhandel gegründet, sind in die neue Location gezogen, hatten irre viel zu tun. Da war ich in meiner Elternzeit quasi acht Stunden im Arbeitszimmer. Das war ziemlich blöd, muss ich ehrlich sagen.

Selbstständig und Eltern – ein schmaler Grat
Nina: Gerade bei Selbstständigen ist das ja nochmal eine ganz andere Hausnummer. Das kenne ich von meinem Mann auch – die Flexibilität ist zwar da, aber man arbeitet eben auch deutlich mehr als acht Stunden am Tag.
Paul: Absolut. Meine Frau hat von Anfang an gesagt: Um 18 Uhr bist du zu Hause. Und das ist auch gut so. Ich kenne viele Unternehmer in meinen Netzwerken, die husteln von früh bis abends und vergessen dabei wirklich ihre Familie. Irgendwann fragen die Kinder dann: „Warum ist Papa nie da?“ Das ist schade.
Mein Alltag sieht heute so aus: Montag und Dienstag sind lange Tage – zwölf, vierzehn Stunden. Dafür ist der Donnerstag kürzer, weil ich da meine Tochter zum Training bringe. Das sind keine klassischen Acht-Stunden-Tage mehr, aber in der Summe passt es – und ich bin für meine Kinder da, wenn es drauf ankommt.
Wiedereinstieg als Chance: Nicht zurück in den alten Trott
Paul: Was mir bei dir aufgefallen ist, Nina: Du bist nach deiner Rückkehr in eine komplett neue Rolle gewechselt – vom Online-Shop-Support in den fachlichen Innendienst. Und nach zwei Wochen warst du voll drin. Das hätte ich ehrlich gesagt nicht so schnell erwartet.
Nina: Danke! Ich glaube, als junge Mama unterschätzt man manchmal, was man alles dazulernt. Man organisiert plötzlich einen kompletten Familienalltag, übernimmt Verantwortung auf einer ganz neuen Ebene. Das kann einem im Beruf total zugutekommen. Und ich finde, man sollte den Wiedereinstieg auch als Chance sehen – nicht krampfhaft zurück in den alten Trott, sondern offen sein für neue Aufgaben. Es ist ja fast wie ein Neuanfang, und einen besseren Zeitpunkt dafür gibt es eigentlich nicht.
Paul: Absolut. Viele sehen eine junge Mama vielleicht als Risiko – die könnte ja oft ausfallen. Aber ich sage: Das ist eine Chance. Wer nach anderthalb Jahren Elternzeit zurückkommt und sagt „Ich hab Bock auf was Neues“ – dem sollte man diese Tür aufmachen. Am Ende profitieren alle davon.
Fazit: Kommunikation, Flexibilität und ein bisschen Mut
Nina: Mein Rat an alle werdenden Eltern: Werdet euch klar darüber, was ihr wollt – als Familie und beruflich. Und dann kommuniziert das offen. Nicht in alte Muster verfallen, sondern wirklich überlegen: Was ist mir wichtig? Was brauche ich? Und dann mutig auf den Arbeitgeber zugehen.
Paul: Und an alle Arbeitgeber: Gebt euren Leuten den Raum, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. Gleitzeit, Homeoffice, flexible Modelle – das sind keine Geschenke, das sind Investitionen in motivierte Mitarbeiter. Kommunikation ist der Schlüssel. Wenn beide Seiten offen miteinander reden, findet man fast immer eine Lösung, die für alle passt.
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