#2 10 Stunden Sitzen – warum es und Krank macht

„Heute wird’s unbequem“ – worum geht’s in dieser Folge?

Redaktion: Paul, du startest die Folge mit einer Ansage: „Heute wird’s unbequem.“ Warum?
Paul: Weil wir uns Zahlen anschauen, die viele unterschätzen. Wir sprechen über eine aktuelle Auswertung zum Sitzverhalten – und wenn man sich das anschaut, merkt man: Wir sitzen im Alltag viel mehr, als wir denken.

Redaktion: Und du bist diesmal nicht allein. Wen hast du mitgebracht?
Paul: Henry ist dabei – er kennt sich aus, weil er seit Jahren in der Planung und Beratung von Arbeitsplätzen steckt.

Redaktion: Henry, stell dich kurz vor.
Henry: Ich bin Henry und arbeite seit rund sechs Jahren beim Büroexperte-Team, vor allem in der Planung – viel mit Architekten, Planern und Büro-Konzepten. Dadurch sieht man ziemlich viel davon, wie Menschen wirklich arbeiten (und eben auch: wie sie sitzen).


Die Zahlen: Über 10 Stunden Sitzen am Werktag

Redaktion: Ihr sprecht über den DKV-Report 2025 und konkrete Minutenangaben. Was ist der Kern?
Henry: Der Punkt ist: Laut den besprochenen Werten kommen wir werktags auf 618 Minuten Sitzen – das sind mehr als 10 Stunden. Und das ist sogar mehr als im Vorjahr (da waren es 598 Minuten).

Redaktion: Warum ist das so relevant?
Paul: Weil es nicht „nur“ um Bürozeit geht. Sitzen passiert überall – und am Ende summiert sich das.

Quelle: DKV-Report 2025 / Bilderstellung KI

Woher kommt das ganze Sitzen überhaupt?

Redaktion: Wenn viele denken „Ich sitze halt im Büro“ – was kommt noch dazu?
Henry: Arbeit ist ein großer Block – aber es hört nicht auf. Sitzen passiert auch beim Pendeln (Auto, Bahn, Bus), beim Warten (Arzt, Termine), beim Essen und natürlich abends beim TV / Streaming.

Redaktion: Ihr erwähnt auch Unterschiede je nach Alter.
Henry: Genau, es gibt Unterschiede. Und die 18–29-Jährigen sind in den besprochenen Zahlen besonders stark betroffen.

Redaktion: Ihr nennt auch eine Aufteilung nach Bereichen – was steckt dahinter?
Paul: Als grobe Orientierung: Sitzzeit entsteht z. B. durch Arbeit, TV/Streaming, Pendeln, Computer/Tablet und „sonstige Freizeitaktivitäten“. Und plötzlich merkt man: Das ist nicht ein Block – das sind viele kleine Blöcke, die zusammen riesig werden.


Homeoffice: weniger Stress – aber oft mehr Sitzzeit?

Redaktion: Viele würden sagen: Homeoffice = weniger Sitzen, weil man flexibler ist. Stimmt das?
Henry: Nicht automatisch. Im Homeoffice gibt’s oft weniger Unterbrechung: kein kurzer Gang zum Kollegen, keine spontanen Gespräche, weniger Wege im Büro. Wenn du viel über Teams/Telefon machst, sitzt du eher mehr.

Paul: Ich merke das bei mir auch: Im Büro bin ich oft „auf Achse“, im Homeoffice sitze ich teilweise deutlich länger am Stück.


„Ist Sitzen schlimmer als Rauchen?“ – die provokante These 🙂

Redaktion: Ihr stellt in der Folge eine These in den Raum: „Sitzen ist nicht schlimmer als Rauchen – aber anders schlimm.“ Was meint ihr damit?
Henry: Rauchen ist ein anderes Risiko – aber Sitzen ist trotzdem ernst. Und das Gemeine ist: Es passiert so nebenbei und gilt als „normal“.

Redaktion: Was sind typische kurzfristige Folgen?
Henry: Klassisch: Verspannungen, Rückenschmerzen, Kopfschmerzen – oft erst leicht, dann häufiger.

Redaktion: Und langfristig?
Henry: Da wird’s unschön: höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Probleme, Muskelabbau, Übergewicht und auch Typ-2-Diabetes.


Warum das auch für Unternehmen ein echtes Thema ist

Rückenschmerzen oft ein Symptom von zu viel sitzen

Henry: Genau deshalb ist Sensibilisierung so wichtig: nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern pragmatisch – mit Setup und kleinen Gewohnheiten.

Redaktion: Ihr sprecht auch Arbeitgeber und Teams direkt an. Warum?
Paul: Weil Rücken und Bewegungsapparat ganz schnell ein Faktor werden: mehr Beschwerden, mehr Ausfälle, längere Krankheitsphasen. Wir hatten selbst schon Fälle im Umfeld, wo jemand sehr lange ausfällt – das ist für den Menschen hart und fürs Team was die Arbeit kompensieren muss auch.


Die häufigsten Setup-Fehler am Arbeitsplatz

Redaktion: Jetzt wird’s „Büro Experte“: Was sind die häufigsten Fehler im Setup?
Henry: Ganz vorne:

  • Stuhl nicht richtig eingestellt
  • Monitorposition passt nicht
  • Tischhöhe passt nicht
  • kein höhenverstellbarer Tisch (oder vorhanden, aber wird nicht genutzt)

Redaktion: Also nicht „High-End kaufen“, sondern erst mal richtig einstellen?
Paul: Genau. Oft kann man mit kleinen Anpassungen schon viel rausholen.

Infografik Arbeitsplatz Ergonomie – So arbeitest du besser am Schreibtisch


Was kostet ein „guter“ Arbeitsplatz ungefähr?

Redaktion: Ihr gebt in der Folge auch eine Hausnummer fürs Budget. Was ist realistisch?
Henry: Für einen vernünftigen, kompletten Arbeitsplatz kann man grob mit 1.000 bis 1.200 € rechnen – je nach Anspruch.

Redaktion: Wie teilt sich das auf?
Henry: Grob gesagt:

  • ein ordentlicher Bürodrehstuhl ab ca. 300 € (wichtig: vernünftige Mechanik + Armlehnen)
  • ein solider Schreibtisch im unteren Segment ca. 300–400 €, mit mehr Auswahl eher Richtung 500 €
  • plus: Beleuchtung als oft unterschätzter Punkt

Licht: der unterschätzte Ergonomie-Faktor

Redaktion: Ihr werft auch Lux-Zahlen in den Raum. Warum?
Henry: Weil Licht direkt auf Konzentration und Ermüdung wirkt. Für die Arbeitsplatzbeleuchtung sind mindestens 500 Lux ein wichtiger Orientierungswert – und bei typischen Seh-/Bildschirmaufgaben sind höhere Werte oft sinnvoll.

Redaktion: Kurz gesagt: zu dunkel = schneller müde, mehr Anstrengung.
Paul: Genau. Und im Homeoffice ist das häufig ein echter Schwachpunkt.


Sofort-Tipps: Was du ab heute ändern kannst

Redaktion: Kommen wir zu den Tipps – ganz konkret. Was sind eure Top-Maßnahmen?
Henry: Wir würden es so strukturieren:

1) Sitzposition schnell verbessern

  • Knie in einem leicht geöffneten 90°-Winkel (nicht „eingeklemmt“)
  • Armlehnen so einstellen, dass Schultern entspannen können und die Ellenbogen ungefähr bei 90° landen
  • Ziel: Nacken und Schultern entlasten

2) Mikro-Bewegung einbauen (ohne Sportprogramm)

  • alle 45–60 Minuten kurz unterbrechen
  • Treppe statt Aufzug, kurzer Gang, Kaffee holen, kurz raus an die Luft
  • „Mini-Regel“: 5 Minuten pro Stunde helfen oft schon

3) Stehen als Routine koppeln

Paul: Mein Trick: Bei jedem Meeting den Tisch (wenn vorhanden) kurz hochfahren und im Stehen starten. Wenn’s anstrengend wird, wieder hinsetzen. So kommt man automatisch auf mehrere Stehphasen am Tag.

4) Team-Variante: gemeinsame Challenge

Henry: Im Team kann man z. B. sagen: „Vormittags Sitzen, nach dem Mittag konsequent Stehen.“ Das macht’s leichter, weil man sich gegenseitig erinnert – ohne dass es nervt.


Sitzposition ändern

Fazit der Folge

Redaktion: Wenn ihr die Folge in einem Satz zusammenfassen müsstet – wie klingt der?
Paul: Wir sitzen zu viel – und wir müssen nicht „perfekt“ sein, aber wir sollten bewusst gegensteuern.

Henry: Genau: erst Setup checken, dann Gewohnheiten einbauen, und wenn möglich im Team gemeinsam – dann wird’s wirklich machbar.

Quelle: https://www.dkv.com/downloads/DKV-Report-2025-Bericht.pdf

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