Von der LAN-Party zum Arbeitsplatz der Zukunft
Paul: Ronny, bevor wir ins Thema einsteigen – wir kennen uns ja schon eine Weile. Und die Geschichte, wie wir uns wiedergefunden haben, ist eigentlich ziemlich witzig.
Ronny: Absolut! Wir haben uns über ein Business-Netzwerk wiedergetroffen und dann im Gespräch festgestellt, dass wir uns eigentlich schon viel länger kennen. Du warst nämlich Gast auf den LAN-Partys, die wir damals hier in Dresden organisiert haben – das muss so Ende der 90er gewesen sein, um die Jahrtausendwende.
Paul: Stimmt! Das war eine irre Zeit. Wir machen übrigens immer noch jedes Jahr eine LAN-Party hier in der Firma – mittlerweile mit 15 Leuten, die nicht mehr ganz so jung sind. Und jetzt fängt mein Großer an, mit seinen Kumpels das Gleiche zu machen. Die mussten erstmal lernen, wo welches Kabel reingesteckt wird – ein kleines Revival.

Verschwindet die Tastatur? Eine steile These

Paul: Jetzt zum eigentlichen Thema: Wie realistisch ist es, dass wir in fünf bis zehn Jahren komplett ohne Tastatur arbeiten?
Ronny: Ich habe lange darüber nachgedacht und meine Antwort ist: eher unrealistisch – zumindest in diesem Zeitrahmen. Aber die Tastatur wird als Eingabegerät immer weniger Bedeutung haben. Das sieht man jetzt schon, wenn man intensiv mit KI arbeitet. Richtig gute, umfassende Prompts tippt man nicht mehr ein – die spricht man ein. Die Tastatur wird eher zum Hilfswerkzeug, um dem Programm zu signalisieren: Pass auf, jetzt kommt eine Spracheingabe.
Paul: Das erlebe ich selbst. Ich gehe mittlerweile in die Telefonbox, wenn ich mit ChatGPT arbeite. Ich erkläre, was ich brauche, und der Assistent liefert in Sekunden bessere Ergebnisse, als ich sie selbst hintippen könnte. Aber genau da liegt das Problem: Wenn in einem Vierer-Büro plötzlich alle mit ihrer KI sprechen, wird es unerträglich laut. Das ist wie ein Callcenter – und das will niemand.
Eher verschwindet der Monitor als die Tastatur
Ronny: Da bringst du einen wichtigen Punkt. Es sind eigentlich zwei verschiedene Fragen: Verschwindet die Tastatur? Und: Wie verändert sich die Art, wie wir Eingaben machen? Meine These: Bevor die Tastatur verschwindet, könnte eher der Monitor verschwinden. Sobald wir richtig gute AR-Datenbrillen haben, setzen wir die auf, haben den Bildschirm direkt vor Augen und können von überall arbeiten – im Laufen, im Sitzsack, auf dem Golfplatz, wenn man’s dekadent mag.
Paul: Das wäre tatsächlich ein Gamechanger. Ein Leipziger Startup namens Highbeam arbeitet schon daran, Kommunikation zwischen mehreren Standorten mit AR-Brillen interessanter zu machen. Da sieht man seine Kollegen wirklich vor sich stehen, obwohl sie hunderte Kilometer entfernt sind. Anfassen kann man sich zwar noch nicht, aber die Persönlichkeit und Nähe – die ist da.
Neuralink, Gestensteuerung und das Ende der Maus
Paul: Wenn wir noch weiter in die Zukunft schauen – Neuralink, Gedankensteuerung. Dann brauche ich theoretisch mein Haus gar nicht mehr zu verlassen, was natürlich wieder gegen die Gesundheit spricht. Aber faszinierend ist es schon.
Ronny: Absolut. Wenn du Neuralink mit einer Datenbrille kombinierst, kannst du per Gedankenübertragung deine Anweisungen eingeben und dich dabei frei bewegen, wo es dir gefällt. Das klingt nach Science Fiction, funktioniert in ersten Studien aber tatsächlich schon. Was auch verschwinden könnte, ist die Maus – ersetzt durch Gestensteuerung. Ein bisschen wie in Minority Report: Du bewegst einfach deine Hände und interagierst mit deinen Inhalten. Und das wäre sogar gesundheitsfördernd, weil du dich viel mehr bewegst als mit einer Maus auf dem Schreibtisch.
Paul: Was mich immer wieder fasziniert: All diese Ideen gab es in Science Fiction schon Jahrzehnte vorher. Das Klapphandy gab es in Star Trek zwanzig Jahre bevor es Realität wurde. KI, die alles beherrscht – kennen wir aus Terminator und 2001: Odyssee im Weltraum. Die meisten Wissenschaftler sind auch Science-Fiction-Fans. Da braucht man wahrscheinlich nur eins und eins zusammenzählen.

Was Deutschland von Asien lernen kann – und was nicht
Paul: Du bist ja viel in Asien unterwegs, vor allem in Japan. Siehst du dort schon Trends, die bei uns noch nicht angekommen sind?
Ronny: Was die Bürolandschaft angeht, sind wir in Europa tatsächlich weiter als die meisten asiatischen Länder – gerade was Work-Life-Balance betrifft. Da muss ich immer an eine Episode denken: Ich hatte mal japanischen Besuch hier in Dresden zur Weihnachtszeit. Um 17 Uhr waren wir auf dem Mittelaltermarkt und mein Gast fragte völlig erstaunt: „Warum sind hier so viele Menschen? Sind die alle krank? Müssen die nicht arbeiten?“ Ich musste ihm erstmal das Konzept „Feierabend“ erklären. Bei ihnen sitzt man bis 19, 20 Uhr im Büro – das ist normal.
Paul: Das ist schon verrückt. Aber technologisch sieht es anders aus?
Ronny: Die Technik ist verfügbar – die Frage ist eher, ob wir bereit sind, sie zu nutzen. In Japan gehen sie mit bestimmten Technologien einfach smarter und stressfreier um. Check-in per Face-ID am Flughafen zum Beispiel – extrem komfortabel. In China kannst du per Gesichtserkennung am Automaten bezahlen. Da wird einfach gemacht, ausprobiert, skaliert. Bei uns in Europa bremst oft der Datenschutz – was einerseits wichtig ist, andererseits aber auch dazu führt, dass wir bei Schlüsseltechnologien ins Hintertreffen geraten.
Paul: Work-Life-Balance als deutscher Exportschlager – das gefällt mir! Aber die Innovationsgeschwindigkeit, die müssen wir uns woanders abschauen. Das war übrigens erst Teil 1 – in der nächsten Folge philosophieren Ronny und ich weiter über den Arbeitsplatz der Zukunft. Bleibt dran!
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