Gebäudestruktur
Die Gebäudestruktur fasst alle tragenden und aussteifenden Bauteile zusammen, die ein Gebäude statisch im Gleichgewicht halten und seine Lasten in den Baugrund ableiten. Dazu zählen Fundament, tragende Wände, Stützen, Decken, Unterzüge, Dachtragwerk und aussteifende Scheiben. Für Bürogebäude entscheidet die Struktur darüber, wie flexibel Räume später aufgeteilt, möbliert und an neue Arbeitsformen angepasst werden können.
Bauteile und Tragwerksprinzip
Im Hochbau unterscheidet die Norm DIN 1053 für Mauerwerk, DIN EN 1992 (Eurocode 2) für Stahlbeton und DIN EN 1995 (Eurocode 5) für Holz die wichtigsten Tragwerksarten. In der Praxis kommt im Bürobau überwiegend ein Skelettbau aus Stahlbeton zum Einsatz, ergänzt durch tragende Treppenhäuser und Aufzugsschächte als Aussteifung. Der Skelettbau erlaubt große Spannweiten, was später flexible Grundrisse und das Verschieben von Trennwänden ermöglicht.
Lastarten und Bemessung
Tragwerke werden für unterschiedliche Lastfälle bemessen, die in DIN EN 1991 (Eurocode 1) geregelt sind. Im Bürobau sind das vor allem das Eigengewicht der Konstruktion, Nutzlasten aus Personen und Möbeln, Schnee- und Windlasten, in einigen Regionen auch Erdbebenlasten. Für Bürogeschosse rechnet die Norm mit einer Nutzlast von 2 bis 3 Kilonewton pro Quadratmeter (Kategorie B). Wer plant, schwere Tresorschränke oder Server in Räume zu stellen, muss prüfen lassen, ob die Decke dafür ausgelegt ist.
Tragwerksarten im Bürobau
- Massivbau: tragende Außen- und Innenwände aus Mauerwerk oder Beton, robust, wenig flexibel.
- Skelettbau: Stützen und Decken bilden das Tragwerk, Wände sind nicht tragend, hohe Flexibilität.
- Holzbau: wachsende Bedeutung im Bürobau wegen CO2-Bilanz, eigene Norm DIN EN 1995.
- Hybridbau: Kombination aus Beton (Treppenhaus, Decken) und Holz oder Stahl, oft bei Aufstockungen.
Auswirkungen auf die Büroplanung
Die Tragstruktur entscheidet, wo Wände gezogen, durchgebrochen oder verschoben werden können und wo nicht. Ein Skelettbau mit weiten Stützenrastern erlaubt offene Bürolandschaften und nachträgliche Umbauten. Ein klassischer Massivbau mit tragenden Innenwänden hingegen schränkt die Flexibilität deutlich ein. Wer eine Bürofläche neu bezieht, sollte daher früh den Tragwerksplan einsehen oder eine Bestandsaufnahme machen lassen, bevor Möbel und Trennwände bestellt werden. Eine professionelle Büroplanung startet mit genau dieser Bestandsanalyse und hält fest, welche Wände tragend sind und welche entfernt werden dürfen.
Stauraum und Punktlasten
Aktenarchive und große Schrankwände erzeugen erhebliche Punktlasten. Eine Reihe vollständig befüllter Stahlaktenschränke kann mehrere Hundert Kilogramm pro laufendem Meter wiegen. Bei älteren Gebäuden mit Holzbalkendecken ist das ein Thema, bei Stahlbetondecken in modernen Bürobauten in der Regel unkritisch. Wer großflächige Aktenschrank-Lösungen plant, sollte die Lasten dennoch im Vorfeld mit der Statik abgleichen.
Synonyme
Tragwerk, Tragstruktur, Bauwerksstruktur. Im baurechtlichen Kontext ist meist Tragwerk üblich, im Englischen Structural System.
Abgrenzung zu
- Gebäudehülle: Fassade, Dach, Fenster, Wärmedämmung. Schützt das Tragwerk, ist aber nicht selbst tragend.
- Innenausbau: Trennwände, Bodenbeläge, abgehängte Decken, Gebäudetechnik.
- Architektur: Gestaltung und Funktion, eingebettet in das Tragwerk.
- Gebäudetechnik (TGA): Heizung, Lüftung, Sanitär, Elektro, oft in Schächten geführt.
Siehe auch
Literaturhinweise
- DIN EN 1991: Einwirkungen auf Tragwerke (Eurocode 1).
- DIN EN 1992: Bemessung und Konstruktion von Stahlbeton- und Spannbetontragwerken (Eurocode 2).
- DIN EN 1995: Bemessung und Konstruktion von Holzbauten (Eurocode 5).
- Schneider Bautabellen für Architekten, Bundesanzeiger Verlag.
