Lean Six Sigma
Lean Six Sigma kombiniert zwei Verbesserungsansätze: Lean Management (Verschwendung reduzieren, Fluss erzeugen) und Six Sigma (statistische Reduktion von Streuung und Fehlern). Aus der Verbindung entsteht eine Methodik, die sowohl auf Geschwindigkeit und Effizienz zielt als auch auf Qualität und Stabilität. Eingesetzt wird Lean Six Sigma in Produktion, Verwaltung und Dienstleistung gleichermaßen, von Großkonzernen bis zu mittelständischen Betrieben mit komplexen Prozessen.
Definition und Hintergrund
Six Sigma wurde in den 1980er Jahren bei Motorola entwickelt und durch General Electric in den 1990ern weltweit bekannt. Lean Six Sigma als Kombination geht zurück auf Michael George (Lean Six Sigma, 2002). Die statistische Idee hinter Six Sigma ist, dass ein Prozess so stabil läuft, dass nicht mehr als 3,4 Fehler pro eine Million Möglichkeiten auftreten, was einer Standardabweichung von sechs Sigma entspricht. Die Norm DIN ISO 18404 (Quantitative Methoden in Prozessverbesserung) regelt Anforderungen an Personalqualifikation und Vorgehensweise.
Rollen und Belt-Konzept
- Yellow Belt: Grundkenntnisse, kann in Projekten mitarbeiten.
- Green Belt: leitet kleinere Verbesserungsprojekte parallel zur Linientätigkeit.
- Black Belt: leitet komplexe Projekte hauptamtlich, beherrscht statistische Methoden.
- Master Black Belt: Mentor und Trainer für Black Belts, gestaltet das Programm strategisch.
- Champion / Sponsor: Auftraggeber aus dem Management, sichert Ressourcen und Wirkung.
Werkzeuge im Überblick
- SIPOC-Diagramm: Suppliers, Inputs, Process, Outputs, Customers, in der Define-Phase.
- Wertstromanalyse: Lean-Werkzeug für Material- und Informationsfluss.
- Statistische Prozesskontrolle: Regelkarten, Cp- und Cpk-Werte für Stabilität.
- FMEA: Fehlermöglichkeits- und Einflussanalyse zur Risikobewertung.
- Hypothesentests: t-Test, Chi-Quadrat, ANOVA in der Analyze-Phase.
- Design of Experiments: systematische Variation von Faktoren zur Wirkungsuntersuchung.
Lean Six Sigma im Mittelstand
Im Mittelstand wird Lean Six Sigma häufig schlanker eingesetzt als in Konzernen. Statt einer eigenen Black-Belt-Population reichen oft zwei bis drei Green Belts, ergänzt durch externe Beratung für komplexere Projekte. Sinnvoll sind Pilotprojekte mit klar messbarem Nutzen, etwa Reduktion der Reklamationsquote, Verkürzung der Auftragsdurchlaufzeit oder Senkung der Lagerbestände. Datenbasierte Argumentation hilft, Diskussionen sachlich zu führen und Entscheidungen nachvollziehbar zu treffen.
Räume und IT
Lean Six Sigma lebt von Daten und gemeinsamer Analyse. Räume mit Bildschirmen für Kennzahlen, Whiteboards für Hypothesen und ruhigen Ecken für statistische Auswertungen unterstützen die Arbeit. Eine durchdachte Büroplanung bezieht solche Bereiche von Anfang an mit ein. Auf der digitalen Seite sind eine saubere Datenbasis, Reporting-Tools und kollaborative Plattformen Schlüsselbausteine. IT-Dienstleistungen für den Mittelstand sorgen für stabile Systeme, sichere Datenanbindung und Beratung bei Werkzeugauswahl.
Synonyme
LSS, Six Sigma plus Lean, Operational Excellence (im weiteren Sinn). Operational Excellence wird häufig als Oberbegriff verwendet, der Lean Six Sigma, Total Quality Management und ergänzende Methoden umfasst.
Abgrenzung zu
- Lean Management: Lean ohne ausgeprägte statistische Komponente.
- Six Sigma pur: ohne Lean-Werkzeuge, eher in stark regulierten Branchen.
- Total Quality Management (TQM): ältere, breitere Bewegung, oft weniger werkzeugorientiert.
- BPR (Business Process Reengineering): radikaler Neuentwurf, Gegenpol zu schrittweiser Verbesserung.
Siehe auch
- Lean Management
- Lean Office
- Kontinuierliche Verbesserung (Kaizen)
- Geschäftsprozessoptimierung
- Compliance Management
Literaturhinweise
- George, M.: Lean Six Sigma, McGraw-Hill.
- Pyzdek, T. / Keller, P.: The Six Sigma Handbook, McGraw-Hill.
- Liker, J.: The Toyota Way, McGraw-Hill.
- Womack, J. / Jones, D.: Lean Thinking, Free Press.
- DIN ISO 18404: Quantitative Methoden in Prozessverbesserung, Six Sigma und Lean.
