Talentmanagement

Definition:

Talentmanagement ist die strukturierte Identifikation, Gewinnung, Entwicklung und Bindung von Schlüsselpersonen im Unternehmen. Es geht darum, die richtigen Menschen für die richtigen Aufgaben zu finden, sie weiterzuentwickeln und langfristig im Unternehmen zu halten. Der Begriff wurde 1997 in der McKinsey-Studie „The War for Talent“ geprägt und ist seitdem fester Bestandteil moderner Personalstrategie.

Anders als klassische Personalarbeit versteht Talentmanagement Mitarbeiter nicht nur als Stellenfüller, sondern als strategische Ressource. Wer eine Schlüsselposition unbesetzt lässt oder eine Top-Kraft verliert, hat oft mehr verloren als ein paar Wochen Einarbeitung: Kundenbeziehungen, Wissen, Reputation. Studien beziffern die Kosten einer ungewollten Kündigung auf 50 bis 200 Prozent eines Jahresgehalts, je nach Position.

Der Talent Lifecycle Fünfstufiger Kreislauf des Talentmanagements: Identifizieren, Gewinnen, Entwickeln, Binden, Nachfolge. Der Talent Lifecycle fünf Phasen vom Eintritt bis zur Nachfolge TALENT Lifecycle 1. IdentifySchlüssel-positionen 2. RecruitActive Sourcing,Employer Brand 3. DevelopSchulung,Coaching 4. RetainBindung,Anerkennung 5. SucceedNachfolge,Übergang Talentmanagement ist kein Projekt, sondern ein laufender Prozess.
Wer eine Phase auslässt, verliert in den anderen Wirkung.

Die fünf Phasen im Detail:

Identify: Schlüsselpositionen und Schlüsselpersonen erkennen. Eine Schlüsselposition ist nicht jede Stelle, sondern die, deren Verlust das Unternehmen am stärksten trifft. Eine Schlüsselperson zeigt überdurchschnittliches Potenzial in genau diesen Positionen.

Recruit: Aktive Ansprache passender Talente, nicht nur passive Stellenanzeigen. Active Sourcing über LinkedIn und XING, Mitarbeiter-werben-Mitarbeiter-Programme, Kooperationen mit Hochschulen und sichtbare Arbeitgebermarke (Employer Branding).

Develop: Gezielte Weiterentwicklung in Form von Trainings, Coaching, Mentoring, Job-Rotation und gezielten Stretch-Aufgaben. Wichtig ist die Trennung zwischen Pflichtfortbildung und tatsächlicher Talentförderung.

Retain: Bindung über sinnstiftende Aufgaben, Karrierewege, Anerkennung, faire Vergütung und ein Arbeitsumfeld, in dem Mitarbeiter gerne arbeiten. Studien des Gallup Engagement Index zeigen, dass emotionale Bindung der größte Treiber gegen Wechselabsicht ist, nicht das Gehalt allein.

Succeed: Nachfolgeplanung für Schlüsselpositionen mit klarem Zeithorizont von zwei bis fünf Jahren. Das 9-Box-Grid (Leistung gegen Potenzial) ist ein verbreitetes Werkzeug, um Nachfolgekandidaten zu identifizieren und zu entwickeln.

Talentmanagement im KMU:

Im Mittelstand lautet die häufigste Antwort auf Talentmanagement: „Dazu fehlt uns die Zeit.“ Das ist nachvollziehbar, aber teuer. Wer im 50-Personen-Betrieb zwei oder drei Schlüsselpersonen verliert, kann in ernste Schwierigkeiten geraten. Praxisbewährt ist eine schlanke Variante: einmal pro Jahr eine Talent-Review-Runde mit Geschäftsführung und Bereichsleitern, klare Liste der zehn bis zwanzig Schlüsselpersonen, individueller Entwicklungsplan auf einer Seite pro Person.

Für die digitale Begleitung gibt es spezialisierte HR-Tools (Personio, HRworks, Workday) und Talentmanagement-Plattformen (SuccessFactors, Cornerstone). Bei Auswahl, Einführung und Datenintegration in vorhandene Systeme lohnt Begleitung über IT-Beratung von oneserv, weil HR-Daten datenschutzrechtlich besonders sensibel sind und sauber abgesichert werden müssen.

Synonyme:

  • Talent-Management
  • Mitarbeiterförderung
  • strategisches Personalmanagement

Abgrenzung zu:

  • Personalmanagement: Übergeordneter Begriff, umfasst die ganze Belegschaft, nicht nur Schlüsselpersonen.
  • Personalentwicklung: Fokus auf Lernen und Weiterbildung, ohne strategische Talent-Identifikation.
  • Recruiting: Nur die Gewinnungsphase, nicht der gesamte Lifecycle.

Siehe auch:

Literaturhinweise:

  • Michaels, E. / Handfield-Jones, H. / Axelrod, B.: The War for Talent. Harvard Business School Press, 2001.
  • Ritz, A. / Thom, N.: Talent Management. Springer Gabler.
  • Gallup: Engagement Index Deutschland, jährlich.
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