Fitness im Büro ohne Ausreden: So kommt Bewegung wirklich in den Alltag (Podcast Folge 23)

8 Stunden sitzen, danach noch eine halbe Stunde im Auto und am Abend ist die Luft komplett raus – genau dieses Gefühl kennen im Büro erstaunlich viele. In Folge 23 spricht Paul mit Firmenfitnesstrainer André Loske darüber, warum Bewegung nicht erst im Fitnessstudio anfangen muss, weshalb schon kleine Routinen im Alltag einen riesigen Unterschied machen können und wieso Unternehmen beim Thema Gesundheit oft viel mehr Möglichkeiten haben, als ihnen bewusst ist.

Vom Personal Training zur Firmenfitness: Warum André einen anderen Weg geht

Paul: André, bei dir denken bestimmt viele erst mal an Personal Training. Du sagst aber direkt: Genau das mache ich eigentlich nicht. Was steckt hinter deinem Ansatz?

André: Genau das wird oft verwechselt. Ich bin nicht der klassische Trainer, der jemanden einzeln durch Liegestütze oder Ernährungspläne schleift. Mein Fokus liegt auf Firmenfitness und TNS-Training – also darauf, Bewegung so in den Arbeitsalltag zu bringen, dass Menschen überhaupt dranbleiben und Unternehmen merken: Das ist nicht nur ein nettes Extra, das verändert wirklich etwas.

Paul: Und das passt ja auch zum Büroalltag. Da geht es weniger um Bodybuilding und viel mehr darum, ob Menschen nach einem langen Tag überhaupt noch Energie haben.

André: Genau. Viele funktionieren einfach nur noch. Sie sitzen viel, fahren viel, arbeiten viel und merken irgendwann, dass der Körper nur noch mitläuft. Firmenfitness setzt früher an. Nicht erst dann, wenn schon alles wehtut, sondern dann, wenn man noch etwas verändern kann.

Mittagstief, Powernap und die ehrliche Frage: Warum sind wir nach dem Essen so platt?

Paul: Das kennen wir alle: Mittag gegessen, zurück an den Schreibtisch, und auf einmal fühlt sich jede Mail doppelt so schwer an. Woran liegt das eigentlich?

André: Ein Teil der Energie geht nach dem Essen erst mal in die Verdauung. Der Körper arbeitet innen, während wir außen weiter Leistung erwarten. Wenn das Essen dann noch schwer war, wird dieses Tief natürlich stärker. Deshalb ist der erste Hebel oft ganz banal: nicht zu schwer essen, kurz runterkommen und dem Körper diese Pause wirklich geben.

Paul: Du bist ja sogar Fan von einem kurzen Powernap.

André: Total. Nicht eine halbe Stunde komplett wegsacken, sondern eher 10 bis 15 Minuten. Kurz abschalten, einmal Luft holen, vielleicht danach noch an die frische Luft – und plötzlich ist der Akku wieder deutlich voller. Viele trauen sich das im Büro nicht, aber genau solche kleinen Dinge machen oft mehr aus, als man denkt.

Paul: Spannend fand ich auch den Gedanken, dass solche Pausen im Team vorgelebt werden müssen. Wenn niemand damit anfängt, fühlt es sich schnell wie Schwäche an – obwohl es am Ende einfach nur klug ist.

Bewegung ist keine Kür: Warum Durchblutung, Dehnung und kleine Reize so viel bewirken

Paul: Viele sagen ja: Ich laufe doch im Büro schon mal rum, ich habe einen höhenverstellbaren Tisch, ich bewege mich doch irgendwie. Reicht das nicht?

André: Es ist besser als gar nichts, aber es ersetzt keine bewusste Bewegung. Unser Herz arbeitet ständig, unsere Muskulatur soll uns nicht nur halten, sondern auch versorgen. Wenn bestimmte Bereiche immer nur in derselben Haltung bleiben, wird die Durchblutung schlechter, Verspannungen nehmen zu und irgendwann meldet sich der Körper ziemlich deutlich.

Paul: Und dann kommt bei dir noch das TNS-Training dazu, das viele wahrscheinlich noch nie gehört haben.

André: Genau, und das Spannende ist: Mehr Gewicht ist nicht automatisch besser. Ich habe im Gespräch das Beispiel mit der Wärmebildkamera genannt. Bei einer leichten TNS-Hantel siehst du nach kurzer Zeit, dass viel mehr im ganzen Arm aktiviert wird als bei einer schweren klassischen Belastung. Dazu kommen Themen wie Lymphaktivierung, bessere Durchblutung, Schmerzlinderung und ganz simpel das Gefühl, dass der Körper wieder „an“ ist.

Paul: Und Dehnung ist für dich kein Bonus am Schluss, sondern ein fester Teil davon.

André: Absolut. Dehnung hilft nicht nur den Muskeln, sondern auch Gelenken, Becken, Haltung und langfristig der ganzen Beweglichkeit. Das merken nicht nur Menschen mit Beschwerden. Selbst junge, sportliche Leute sagen oft: Genau diese letzte Viertelstunde bringt mir im Alltag am meisten.

BGM, steuerliche Förderung und warum Unternehmen Gesundheit nicht nur dem Obstkorb überlassen sollten

Paul: Jetzt mal aus Mitarbeitersicht gedacht: Wenn ich so etwas spannend finde, wie komme ich überhaupt daran? Muss das mein Arbeitgeber anschieben?

André: In vielen Fällen ja, und genau da wird es für Unternehmen interessant. Solche Angebote laufen häufig über betriebliches Gesundheitsmanagement oder betriebliche Gesundheitsförderung. Das heißt: Bewegung im Unternehmen ist nicht einfach nur ein Goodie, sondern etwas, das sich strukturiert aufbauen und auch steuerlich sauber einordnen lässt.

Paul: Also nicht nur: Wir stellen mal einen Obstkorb hin und hoffen, dass damit das Gesundheitsthema erledigt ist.

André: Genau. Essen ist schön, aber Bewegung eben auch. Wenn Unternehmen Trainer, Physio-Angebote oder feste Bewegungsroutinen in den Alltag holen, sparen Mitarbeitende vor allem Zeit. Sie müssen nach Feierabend nicht noch quer durch die Stadt fahren, sondern haben das Angebot direkt dort, wo sie ohnehin sind. Und genau das entscheidet oft darüber, ob etwas dauerhaft genutzt wird oder nach zwei Wochen wieder verpufft.

Paul: Und neben Gesundheit geht es am Ende natürlich auch um Bindung, Motivation und den berühmten klaren Kopf.

Der innere Schweinehund, Trainings-Buddys und die drei Dinge, die du sofort anders machen kannst

Paul: Eine der ehrlichsten Stellen im Gespräch war für mich die Frage, warum wir trotzdem so oft nichts machen – obwohl wir eigentlich wissen, dass Bewegung uns guttut.

André: Weil der Anfang unbequem ist. Weil man müde ist. Weil man Ausreden findet. Und weil man häufig niemanden hat, der einen einmal liebevoll schubst. Genau deshalb ist ein Trainings-Buddy so wertvoll. Wenn jemand anruft und sagt: Komm, wir ziehen das jetzt durch, dann wird aus „heute lieber nicht“ plötzlich doch wieder Bewegung.

Paul: Du hast zum Schluss ja sogar drei ziemlich alltagstaugliche Punkte mitgegeben.

André: Erstens: Hol dir Hilfe, wenn du nicht weißt, wie du anfangen sollst. Zweitens: Bau kleine Rituale ein – Wasser trinken, kurz aufstehen, mal 10 Minuten Pause statt stumpf durchzuziehen. Drittens: Hör auf, immer nur vielleicht zu sagen. Wenn du etwas verändern willst, dann fang jetzt an und warte nicht auf den perfekten Montag.

Paul: Und auf die letzte Frage „Obstkorb oder Fitnesstrainer?“ gab es dann eine schöne diplomatische Antwort.

André: Am besten nicht gegeneinander ausspielen. Essen brauchen wir, Bewegung auch. Aber wenn Teams wirklich gefragt werden, was ihnen hilft, landet das Thema aktive Gesundheit meistens sehr weit oben – und das zurecht.

Takeaway aus Folge 23

  • Kurze Bewegungspausen und ein 10- bis 15-minütiger Powernap können das Mittagstief deutlich entschärfen.
  • Bewusste Bewegung ersetzt kein höhenverstellbarer Tisch – beides ergänzt sich.
  • TNS-Training, Dehnung und Durchblutung sind auch für Menschen spannend, die keinen klassischen Fitnessansatz suchen.
  • Unternehmen können Gesundheitsangebote über BGM/BGF sinnvoll in den Arbeitsalltag integrieren und damit echte Nutzung wahrscheinlicher machen.
  • Wer langfristig dranbleiben will, braucht oft keine perfekte Motivation, sondern klare Rituale und manchmal schlicht einen Trainings-Buddy.

Wenn du also das Gefühl hast, dass im Büroalltag immer erst die Arbeit kommt und Bewegung irgendwann ganz hinten runterfällt, dann ist diese Folge ein ziemlich guter Reality-Check. Nicht, weil André mit der Brechstange motiviert, sondern weil er sehr klar zeigt: Schon kleine Veränderungen können im Alltag einen großen Unterschied machen – wenn man sie eben wirklich umsetzt.


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