Konzernjob oder Mittelstand: Wie sicher ist Karriere heute noch? (Podcast Folge 42)

Ist der Konzernjob wirklich noch der sichere Hafen, von dem frueher alle gesprochen haben? In Folge 42 spricht Paul mit Andreas Alexander Mueller, Geschaeftsfuehrer und Inhaber der impaq Preferred Solutions GmbH in Dresden. Andreas kennt beide Welten: kleines Start-up, Mittelstand und grosse Konzernstrukturen. Und genau deshalb wird das Gespraech schnell sehr konkret: Es geht um Sicherheit, Konzernpolitik, Fuehrung, Informationen als Waehrung und die Frage, warum manche Menschen in grossen Organisationen irgendwann nur noch auf die Rente warten.

Paul: Willkommen beim Bueroexperte Podcast. Heute geht es um eine Frage, die wahrscheinlich viele schon mal im Kopf hatten: Konzern oder kleines Unternehmen? Was ist wirklich besser, was ist sicherer, und was ist vielleicht nur ein Bild, das wir noch von unseren Eltern im Kopf haben? Dafuer habe ich Andreas Alexander Mueller bei mir. Andreas, schoen, dass du da bist.

Andreas: Danke, Paul. Ich freue mich. Das Thema begleitet mich tatsaechlich schon ziemlich lange, weil ich in beiden Welten unterwegs war und gesehen habe, wie unterschiedlich Arbeit, Verantwortung und Fuehrung dort funktionieren.

Vom Start-up in den Weltkonzern

Paul: Du bist nicht einfach nur mal kurz irgendwo im Konzern gewesen, sondern du hast eine Entwicklung mitgemacht, die fast schon wie eine kleine Wirtschaftsgeschichte klingt.

Andreas: Ja, ich habe Ende der 90er in Karlsruhe in einem kleinen Unternehmen angefangen, so mit 15 Leuten. Das war noch sehr direkt, sehr handfest, sehr nah an allem dran. Und dann wurde dieses Unternehmen verkauft, fusioniert, wieder integriert, und irgendwann war ich in einem Weltkonzern mit 250.000 Mitarbeitenden. Geblieben ist aus der Anfangszeit gefuehlt nur meine Handynummer.

Paul: Das ist schon ein krasser Wechsel. Von alle kennen alle, hin zu Strukturen, in denen wahrscheinlich niemand mehr so richtig weiss, wer eigentlich wo entscheidet.

Andreas: Genau. Und am Anfang ist das ja auch spannend. Du bekommst auf einmal andere Moeglichkeiten, andere Budgets, andere Weiterbildung, andere internationale Strukturen. Aber du bekommst eben auch sehr viel Prozess, sehr viel Politik und manchmal eine erstaunliche Entfernung zu dem, was beim Kunden oder im eigentlichen Geschaeft passiert.

Ist der Konzernjob noch sicher?

Paul: Viele haben ja noch diesen Satz im Ohr: Geh zum grossen Konzern, da hast du Sicherheit. Wuerdest du das heute noch jemandem raten?

Andreas: Nicht mehr so pauschal. Frueher war das fuer viele Generationen ein sehr klares Versprechen: Du gehst in einen Konzern, machst deinen Job, arbeitest dich vielleicht hoch, und irgendwann gehst du dort in Rente. Aber heute sehen wir, dass auch grosse Unternehmen massiv umbauen. Wenn bei VW bis 2030 ueber 100.000 Stellen zur Disposition stehen, dann merkt man: Groesse allein ist keine Garantie mehr.

Paul: Also ist der Konzern nicht automatisch unsicher, aber dieses alte Sicherheitsversprechen stimmt so nicht mehr.

Andreas: Genau. Natuerlich bieten Konzerne weiter Vorteile. Es gibt soziale Absicherung, oft gute Programme, Weiterbildung, Strukturen, vielleicht auch mehr interne Wechselmoeglichkeiten. Aber wenn jemand jung ist und lernen will, wie ein Unternehmen wirklich funktioniert, dann wuerde ich heute sehr genau hinschauen. Im Mittelstand oder in kleineren Firmen bekommst du oft schneller Verantwortung und siehst direkter, was deine Arbeit ausloest.

Wenn Excel wichtiger wird als Vertrieb

Paul: Du hast im Gespraech erzaehlt, dass du als Vertriebsleiter irgendwann mehrere Tage pro Woche Excel gepflegt hast. Das klingt erstmal absurd.

Andreas: War es auch. Ich war in einer Position, in der ich eigentlich Vertrieb fuehren und Umsatz entwickeln sollte. Aber ein grosser Teil meiner Zeit ging dafuer drauf, Tabellen zu pflegen, Daten zu melden, Informationen in Formen zu bringen, die irgendwo im System gebraucht wurden. Und irgendwann fragst du dich: Bin ich noch nah am Markt, oder bediene ich nur noch eine interne Maschine?

Paul: Das ist wahrscheinlich genau der Punkt, an dem Konzernstrukturen fuer Menschen frustrierend werden. Nicht, weil jeder Prozess schlecht ist, sondern weil man irgendwann nicht mehr merkt, wofuer man das alles macht.

Andreas: Ja. Prozesse sind nicht das Problem. Gute Prozesse helfen. Aber wenn die Organisation anfaengt, sich selbst zu beschaeftigen, dann wird es schwierig. Dann entstehen Rollen, Meetings und Reportings, die sehr wichtig wirken, aber kaum noch echte Wertschoepfung bringen.

Angst, Respekt und Information als Waehrung

Paul: Eine Stelle ist mir besonders haengen geblieben. Da ging es um Fuehrung und um die Frage: Braucht man Fachkenntnis oder Respekt?

Andreas: Ja, und die Antwort einer Bereichsleiterin war: Angst reicht vollstaendig aus. Das vergisst du nicht so schnell. Weil es eben zeigt, welches Fuehrungsverstaendnis in manchen Strukturen existiert. Nicht ueber Kompetenz, nicht ueber Vertrauen, nicht ueber gemeinsame Richtung, sondern ueber Kontrolle.

Paul: Und du hast auch gesagt, Information war dort eine Waehrung.

Andreas: Absolut. Wer bestimmte Informationen frueher hatte, hatte Macht. Wer wusste, was kommt, konnte sich positionieren. Das fuehrt dazu, dass Menschen Informationen nicht teilen, sondern dosieren. In kleineren Unternehmen oder im guten Mittelstand funktioniert das anders, weil du viel direkter miteinander arbeiten musst. Wenn ich Informationen zurueckhalte, schade ich sehr schnell dem Ergebnis.

Paul: Das ist dann auch eine Kulturfrage. Arbeitet man miteinander, oder spielt man intern Schach?

Andreas: Genau. Und natuerlich gibt es auch im Mittelstand Politik und schlechte Fuehrung. Aber in grossen Organisationen kann sich so etwas sehr lange halten, weil die Folgen nicht immer sofort sichtbar werden.

Die Bewohner, die keiner vermisst

Paul: Du hast fuer eine bestimmte Gruppe im Konzern ein ziemlich hartes Wort benutzt: Bewohner.

Andreas: Ja, das ist hart, aber es beschreibt etwas, was ich erlebt habe. Es gibt Menschen, die wohnen irgendwann in einer Organisation. Die haben ihren Platz, ihre Routinen, ihre Absicherung, aber sie bewegen kaum noch etwas. Und das Problem ist: In sehr grossen Strukturen faellt das nicht immer sofort auf.

Paul: Gleichzeitig muss man fair bleiben: Nicht jeder, der ruhiger arbeitet, ist automatisch ein Problem.

Andreas: Unbedingt. Es geht nicht darum, Menschen abzuwerten, die stabil und verlaesslich arbeiten. Die braucht jedes Unternehmen. Es geht um die Haltung: Wenn mein Ziel nur noch ist, moeglichst unauffaellig bis zur Rente zu kommen, dann stimmt etwas nicht. Fuer die Person nicht und fuer das Unternehmen auch nicht.

Was bleibt aus Folge 42 haengen?

Der Konzern ist nicht automatisch schlecht, und der Mittelstand ist nicht automatisch besser. Aber das alte Versprechen vom sicheren Konzernjob ist bruechiger geworden. Wer wachsen, lernen und gestalten will, sollte nicht nur auf das Logo am Gebaeude schauen, sondern auf Kultur, Verantwortung und echte Entwicklung. Andreas macht in dieser Folge sehr deutlich: Sicherheit ist wichtig, aber wenn Rente das eigentliche Karriereziel wird, ist vielleicht nicht der Job sicher, sondern nur die eigene Bewegung stehen geblieben.


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