Müde Augen, Kopfschmerzen, verschwommenes Sehen am Bildschirm – wer kennt das nicht? In dieser Folge spricht Paul mit Anja, Augenoptiker-Meisterin und Optometristin bei Optik Missbach in Großenhain, darüber, wie wir unseren Augen im Büro etwas Gutes tun. Von Licht und Bildschirmposition über den Tränenfilm bis hin zu speziellen Arbeitsplatzbrillen: Ein ehrliches Gespräch mit vielen praktischen Tipps – und einer sehr persönlichen Beamer-Geschichte von Paul selbst.
Optiker-Meisterin oder Optometristin – wo liegt der Unterschied?
Paul: Anja, erzähl mal kurz, was du eigentlich machst – und was ist eigentlich der Unterschied zwischen Augenoptiker-Meisterin und Optometristin?
Anja: Ich arbeite bei Optik Missbach in Großenhain und bin dort für alles rund ums Auge und die passende Brille zuständig – von der Augenprüfung bis zur Beratung rund um die Augengesundheit. Die Augenoptiker-Meisterin ist im Prinzip die Weiterbildung vom Gesellen – mit allem betriebswirtschaftlichen Drumherum und der Befähigung, auszubilden. Die Optometristin geht dann noch eine Stufe weiter: Wir dürfen tiefer ins Auge schauen, machen Screenings und können beraten, wenn es um detailliertere Themen geht. Diagnosen dürfen wir zwar keine stellen, aber wir sind sozusagen das Bindeglied zwischen Kunde und Augenarzt.
Paul: Und wenn ich ein Augenproblem habe – erst zum Augenarzt oder erst zu euch?
Anja: Der Augenarzt ist als Facharzt natürlich immer Ansprechpartner Nummer eins. Aber um im Vorfeld schon einmal zu selektieren, was wirklich mit den Augen los ist, kann man auch jederzeit zum Optiker oder zum Optometristen kommen. Gerade wenn die Wartezeiten beim Facharzt lang sind, sind wir eine gute erste Anlaufstelle.
Pauls Beamer-Geschichte: Wenn man es einfach nicht wahrhaben will
Paul: Ich muss hier kurz meine eigene Geschichte erzählen – die passt perfekt. Vor ungefähr vier Jahren hatten wir einen Beamer im Büro. Irgendwann habe ich alles nur noch verschwommen gesehen. Und ich? Habe den Beamer verantwortlich gemacht. „Der ist bestimmt falsch eingestellt!“ Alle haben mir höflich zugestimmt: „Ja, ein bisschen unscharf ist er schon…“ – und mich damit bestätigt. Bis irgendwann jemand meinte: „Pass mal auf, wir sehen das eigentlich alle ganz klar. Vielleicht solltest du mal zum Arzt?“ Dazu kamen Kopfschmerzen, und ich dachte: Naja, Stress halt. Dann bin ich zu dir gekommen.
Anja: Genau – und da haben wir das mal in Ruhe analysiert. Deine Augen werden ja durch Muskeln gehalten, und dementsprechend ist da eine Motorik dabei. Die war bei dir ein bisschen außer der Norm – so ein ganz leichtes „Schielen“ in Anführungsstrichen, das man von außen gar nicht sieht. Das kann man mit den richtigen Gläsern in die richtige Richtung bringen, sodass die Augen eine Entlastung erfahren. Dazu kam noch eine leichte Weitsichtigkeit, die mit der Zeit natürlich nicht besser wird.
Paul: Und das Kuriose war: Beim Augenarzt war ich vorher auch. Der hat gesagt „Sie haben 0,2, wegen so einem Quatsch gehen wir nicht zum Optiker“ – und mich nach Hause geschickt.
Anja: Es gibt eben sehr sensible Menschen, die selbst bei 0,25 Dioptrien schon Beschwerden haben. Und es gibt sogar noch feinere Abstufungen. Diese feinen Nuancen werden in die Brille eingearbeitet, um Ruhe ins Sehsystem zu bringen. Man sollte das wirklich nicht auf die lange Bank schieben – und sich eingestehen: Eine Brille ist überhaupt nichts Schlimmes.
Die häufigsten Fehler am Bildschirmarbeitsplatz
Paul: Was ist denn der häufigste Fehler, den wir bei der Bildschirmarbeit machen, obwohl wir es eigentlich besser wissen?
Anja: Ganz klar das Licht. Viele Arbeitsplätze sind einfach zu dunkel gestaltet – und dann setzt der Sehstress ein. Dazu kommt die Körper- und Kopfhaltung vor dem Rechner: Der Bildschirm sollte so stehen, dass man leicht nach unten schaut – nicht, dass man in den Nacken fällt, sonst kommen Nacken- und Schulterverspannungen dazu. Auch die Belüftung ist wichtig, Klimaanlagen, trockene Luft. Und ganz entscheidend: Ein Mix aus Kunstlicht und Tageslicht, die richtige Position des Schreibtischs und keine Blendung durchs Fenster.
Paul: Man redet pausenlos über Ergonomie – aber der Schmerz kommt ja meist erst, wenn man es schon lange ignoriert hat. Was sind denn die ersten Warnsignale?
Anja: Wenn du merkst, dass die Scharfstellung immer länger braucht – also der ständige Blickwechsel zwischen Tastatur, Bildschirm und nach draußen – oder wenn die Augen in zu dunklen Räumen ermüden. In schlecht ausgeleuchteten Räumen wird die Pupille größer, du schaust nicht mehr mit der schärfsten Stelle der Netzhaut, alles wird verwaschener. Du reibst dir dauernd die Augen, Müdigkeit setzt ein – und irgendwann greifen andere Mechanismen: Kopfschmerzen, Verspannungen. Das sind Signale, bei denen man hellhörig werden sollte und die Augen mal überprüfen lassen.
Augen & Produktivität – ein unterschätzter Zusammenhang
Paul: Wie stark beeinflussen unsere Augen eigentlich unsere Leistungsfähigkeit? Kann es sein, dass wir schlechter arbeiten, ohne zu merken, dass es an den Augen liegt?
Anja: Absolut. Die meisten unserer Kunden sitzen 6 bis 8 Stunden am Rechner. Das ist massiver Sehstress – und irgendwann lässt die Produktivität generell nach, weil das Visuelle immer mit dabei ist. Man kann an den Stellschrauben drehen: Schriftgrößen anpassen, besseres Licht, richtige Position des Bildschirms. Aber ab einem bestimmten Punkt reicht das nicht mehr, dann hilft nur noch eine passende Brille. Und selbst mit der besten Brille gilt: Irgendwann ist auch mal gut – Augen brauchen Pausen.
Paul: Was mich übrigens auch interessiert: Macht es einen Unterschied, ob ich eine schwarze Tastatur mit weißer Schrift habe – oder umgekehrt?
Anja: Das hat mit dem Kontrastsehen zu tun. Weiße Schrift auf schwarzem Grund wird von vielen als angenehmer empfunden – aber das ist individuell. Das wäre auf jeden Fall mal einen Feldversuch wert.
Paul: Schreibt uns gern in die Kommentare, was ihr bevorzugt – das wäre wirklich spannend!
Trockene Augen und der Tränenfilm – ein unterschätztes Büro-Thema
Paul: Was sind denn die typischen Themen, mit denen Kunden zu dir kommen – außer der klassischen „ich sehe schlechter“-Story?
Anja: Ein ganz, ganz großes Thema ist der Tränenfilm. Viele berichten von einem sandigen Gefühl im Auge, es krabbelt, die Augen sind trocken. Der Tränenfilm ist die äußerste Schicht vor der Hornhaut und klärt die Benetzung des Auges. Er hat normalerweise drei Schichten – und besonders die fettige Schicht ist oft angegriffen. Der Grund: Am Rechner machen wir deutlich weniger Lidschläge, und wir machen sie oft auch nur halb, die Lidkanten kommen gar nicht richtig aufeinander.
Paul: Das kenne ich vom Computerspielen – man ist so im Tunnel, gar nichts mehr. Und wenn man dann mal wieder bewusst blinzelt, denkt man: „Das fühlt sich ja an wie in der Wüste.“
Anja: Genau! Da kann man schon mit kleinen Dingen viel tun: Tränenersatzmittel (meist mit Hyaluron, um Wasser zu binden), bewusst in die Ferne schauen, vom Bildschirm aufblicken und ganz bewusst blinzeln. Und wenn es nicht besser wird – ab zum Optiker.
Paul: Apropos Luftfeuchtigkeit – da habe ich auch noch eine Geschichte: Wir hatten vor drei, vier Jahren Luftbefeuchter im Planungsbüro. Irgendwann komme ich rein und wundere mich, warum die eigentlich schwarzen Bildschirme ganz weiß sind. Kalk. Kalk auf den Bildschirmen. Und auf den Polstern der Möbel. Seitdem nehmen wir destilliertes oder entkalktes Wasser aus dem gefilterten Getränkespender.
Anja: Oh ja, das ist ein guter Tipp! Destilliertes oder entkalktes Wasser in den Luftbefeuchter, sonst habt ihr nach ein paar Monaten überall so eine graue Schicht – und das ist dann definitiv kein Staub mehr.
Die drei einfachsten Sofortmaßnahmen für bessere Augen im Büro
Paul: Wenn ich morgen meinen Arbeitsplatz verbessern will – was sind die drei einfachsten Dinge, die ich sofort tun kann?
Anja: Erstens: Gutes Licht. Direktes und indirektes Licht, Kunstlicht kombiniert mit Tageslicht. Den Schreibtisch nicht direkt vors Fenster stellen, sondern seitlich. Zweitens: Positionierung des Bildschirms so, dass er nicht blendet – und ganz wichtig: matte Bildschirme statt glänzender. Im Gaming-Bereich ist das Geschmackssache, aber im Büro ganz klar matt, sonst habt ihr die Reflexion dauernd dabei. Drittens: Augen bewusst Pausen gönnen – in die Ferne schweifen lassen, mal eine Runde gehen, bewusst die Augen zumachen. Und bei trockenen Augen mal ein Tränenersatzmittel aus der Apotheke oder vom Optiker.
Bildschirm- und Arbeitsplatzbrillen – wann sie wirklich Sinn machen
Paul: Arbeitsplatzbrillen sind ja ein Riesenthema. Wie läuft das eigentlich, wenn man eine braucht?
Anja: In größeren Firmen läuft der Weg über den Betriebsarzt – dort werden die entsprechenden Nahtests gemacht und ein Protokoll erstellt. Oft kann der Arbeitgeber dann einen Zuschuss geben. Bei uns findet dann nochmal eine gründliche Augenprüfung statt, inklusive Begutachtung des vorderen Augenabschnitts. Wichtig sind die Fragen: Wie ist dein Arbeitsplatz aufgebaut? Wie viele Bildschirme hast du? Welche Abstände? Manchmal bitten wir Kunden sogar, ihren Arbeitsplatz zu fotografieren und die Abstände auszumessen – zu Tastatur, Bildschirm und verschiedenen Sitzpositionen. So kann die Brille wirklich exakt auf den Alltag angepasst werden.
Paul: Das ist also weit mehr als „ich brauche halt irgendeine Brille für den Rechner“.
Anja: Genau. Eine gute Arbeitsplatzbrille ist sehr individuell und kann den Unterschied zwischen täglicher Belastung und spürbarer Entlastung ausmachen.
Fazit: Gute Augenarbeit ist gute Büroarbeit
Die Folge macht deutlich: Augenstress im Büro ist kein Randthema, sondern beeinflusst Konzentration, Wohlbefinden und Produktivität direkt. Die wichtigsten Erkenntnisse:
- Licht und Bildschirmposition sind oft die größten Hebel für entspannteres Sehen
- Trockene Augen und ein gestörter Tränenfilm sind typische Folgen langer Bildschirmarbeit
- Kleine Fehlsichtigkeiten können im Alltag bereits große Beschwerden verursachen
- Arbeitsplatzbrillen sind sinnvoll, wenn sie wirklich individuell auf den Arbeitsplatz abgestimmt werden
- Pausen, Blick in die Ferne und bewusstes Blinzeln helfen den Augen jeden Tag
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