Büro-Arbeitsbereich

Der Büro-Arbeitsbereich bezeichnet die Summe aller Flächen, Räume und Zonen, in denen die Arbeit in einem Unternehmen stattfindet. Er umfasst klassische Schreibtischarbeitsplätze, Besprechungsflächen, informelle Kommunikationszonen, Rückzugsorte, Empfangs- und Wartebereiche sowie Nebenflächen wie Kopiernischen und Teeküchen. Die konkrete Ausgestaltung hängt ab von Branche, Arbeitsweise, Mitarbeiterzahl und Raumangebot.

Die rechtlichen Grundlagen sind vielfältig. Zentrale Vorgaben für Flächenbedarf und Einrichtung kommen aus der Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV), der ASR A1.2 (Raumabmessungen und Bewegungsflächen), ASR A3.4 (Beleuchtung), ASR A3.5 (Raumtemperatur), ASR A3.6 (Lüftung) und ASR A3.7 (Lärm). Als Mindestfläche je Arbeitsplatz gelten 8 m², im offenen Raum 10 m² und mehr, wenn zusätzliche Funktionsflächen gemeinsam genutzt werden.

Die sechs typischen Zonen eines modernen Büros Kachel-Grid zeigt die sechs Funktionszonen: Arbeitsplatz, Besprechung, Fokus/Rückzug, Empfang, Kommunikation und Service. Sechs Zonen eines modernen Büros Activity-Based-Working-Konzept ARBEITSPLATZKonzentrationEinzelarbeit, Schreibtisch,Monitor, 8-10 m² BESPRECHUNGMeetingsKonferenzraum, Huddle,Projektraum FOKUSRückzug / FokusPhonebooth, Thinktank,konzentriertes Arbeiten EMPFANGEmpfang & WartenGäste, Besucher,Repräsentation BEGEGNUNGInformelle ZoneKaffeeküche, Lounge,Ideenaustausch SERVICENebenflächenKopierer, Archiv,Sanitär, Lager Jede Zone verfolgt ein anderes Nutzungsmuster und braucht eigene Möblierung und Akustik.
Die sechs Zonen bilden das Grundgerüst moderner Büro-Arbeitsbereiche.

Zonenkonzept nach Activity-Based Working:

Die klassische Zuordnung „Jeder Mitarbeiter hat einen festen Schreibtisch, fertig“ weicht in modernen Büros einem Zonenmodell. Jede Zone unterstützt eine bestimmte Arbeitsform, Mitarbeiter wechseln im Tagesverlauf zwischen den Zonen. Das Konzept geht auf die niederländische Architekturfirma Veldhoen + Company zurück und hat sich seit den 1990er Jahren weltweit verbreitet.

Arbeitsplatz (Konzentration): Einzelarbeit am Schreibtisch, höhenverstellbar, mit Monitor und Ablagefläche. In offenen Büros mit akustischer Abschirmung (Paneele, Trennwände, Pflanzen).

Besprechungszonen: von der kleinen Huddle-Nische für 2-4 Personen bis zum Konferenzraum für 12+. Pro 10 Mitarbeiter sollte mindestens eine kleine und eine mittelgroße Besprechungsfläche verfügbar sein.

Rückzug und Fokus: Phonebooth oder Thinktank-Raum für vertrauliche Telefonate oder hochkonzentrierte Arbeit. Pro 10-15 Mitarbeiter ein Phonebooth als Faustregel.

Empfang und Warten: der erste Eindruck für Gäste, Kunden, Bewerber. Repräsentativer Charakter, gleichzeitig mit klarer Besucherlenkung (Besucherausweis, Kontaktaufnahme mit Gastgeber).

Begegnung und informelle Kommunikation: Kaffeeküche, Lounge, Stehtische. Hier entsteht der spontane Austausch, aus dem oft die wichtigsten Ideen kommen.

Nebenflächen (Service): Kopierer, Drucker, Lager, Archiv, Sanitär. Wird oft unterschätzt, macht aber schnell 15-20 Prozent der Gesamtfläche aus.

Typen von Büro-Arbeitsbereichen:

Je nach Organisationskultur und Flächenangebot haben sich unterschiedliche Bürotypen etabliert. Jeder Typ hat Vor- und Nachteile, die je nach Branche und Arbeitsweise unterschiedlich gewichten.

  • Zellenbüro: 1-2 Personen pro Raum, hohe Konzentration, geringe Spontankommunikation. Typisch in Kanzleien, Steuerberatungen, Arztpraxen.
  • Gruppenbüro: 3-10 Personen teilen einen Raum. Kompromiss zwischen Zelle und Großraum.
  • Großraumbüro: 20+ Personen auf einer offenen Fläche. Flächenökonomisch, akustisch anspruchsvoll.
  • Kombibüro: Einzelbüros um eine gemeinsame Mittelzone mit Besprechung, Druck, Kaffee. Skandinavischer Klassiker der 1990er.
  • Activity-Based Office: keine festen Arbeitsplätze, stattdessen zonenspezifische Nutzung je nach Aufgabe. Modernster Ansatz, setzt Vertrauenskultur voraus.
  • Hybrid-Büro: Mischung aus Präsenz und Homeoffice. Fläche wird auf typische Anwesenheitsquote von 50-70 Prozent ausgelegt.
Großraumbüro und Zellenbüro im Vergleich Gegenüberstellung der beiden klassischen Bürotypen mit Kapazität, Akustik, Kommunikation und Flächenbedarf. Großraum vs. Zellenbüro VS GROSSRAUMoffen, flexibel • 20+ Personen pro Raum • Flächenbedarf gering • Kommunikation hoch • Akustik anspruchsvoll • Konzentration gestört • Investition ca. 2-4 T€/Platz • Typ: Agentur, Vertrieb ZELLENBÜROgeschlossen, ruhig • 1-2 Personen pro Raum • Flächenbedarf höher • Konzentration hoch • Vertraulichkeit leicht • Spontanaustausch gering • Investition ca. 3-6 T€/Platz • Typ: Kanzlei, Praxis
Die Wahl zwischen Großraum- und Zellenbüro prägt Arbeitsweise und Kultur deutlich.

Praxisbezug KMU:

Im Mittelstand entstehen Büro-Arbeitsbereiche oft durch Hineinwachsen in bestehende Flächen. Aus zwei Büros werden drei, der Besprechungsraum wird zum Standbesetzer, die Teeküche zum ungeplanten Großraumbüro. Das funktioniert eine Weile, bringt aber irgendwann Akustikprobleme, Frust bei Mitarbeitern und schlechte Ergebnisse bei Bewerberterminen. Der häufigste Fehler ist, bei einer Flächen-Umgestaltung nur die Quadratmeter zu rechnen und das Nutzungsmuster zu ignorieren. Wer zuerst klärt, welche Tätigkeiten wie häufig stattfinden, kommt meist mit weniger Gesamtfläche aus.

Relevanz im Arbeitsalltag:

Der Büro-Arbeitsbereich ist der konkrete Ort, an dem Arbeitskultur sichtbar wird. Eine durchdachte Flächenaufteilung mit klarer Zonierung, die richtige Anzahl an Konferenz- und Besprechungsmöbeln und eine saubere Büroplanung, die Flächen, Möblierung, Akustik und Licht zusammen denkt, entscheidet darüber, ob ein Bürogebäude zu produktivem Arbeiten einlädt oder zum Energiesparmodus zwingt. Besonders in hybriden Arbeitsmodellen mit flexiblen Präsenzquoten ist die Aufteilung der Funktionszonen wichtiger als die reine Arbeitsplatzanzahl.

Synonyme:

Abgrenzung zu:

  • Arbeitsplatz: bezeichnet den konkreten Schreibtischplatz mit Möbeln und Arbeitsmitteln. Der Büro-Arbeitsbereich umfasst mehrere Arbeitsplätze und Zonen.
  • Büroflächen: rein immobilienwirtschaftlicher Begriff für die Größe der Mietfläche. Der Büro-Arbeitsbereich fokussiert die Nutzung.
  • Bürolayout: die konkrete Anordnung von Möbeln und Zonen. Der Büro-Arbeitsbereich ist das übergeordnete Nutzungskonzept.
  • Homeoffice: Arbeitsplatz in der Privatwohnung. Klar abzugrenzen vom betrieblichen Büro-Arbeitsbereich, auch wenn viele Mitarbeiter zwischen beiden wechseln.

Siehe auch:

Literaturhinweise:

  • Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) und zugehörige ASR-Regeln A1.2 bis A3.7.
  • DGUV-Information 215-410: Büroraumplanung, Hilfen für das systematische Planen und Gestalten.
  • Veldhoen, Erik: „Activity-Based Working“, Veldhoen + Company, Amsterdam 2015.
  • Fraunhofer IAO: „Office Analytics“, Studien zu Bürogestaltung und Flächennutzung.
  • Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR): „Büroflächen im Wandel“.

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