Nachhaltigkeit im Büro
Nachhaltigkeit im Büro umfasst alle Maßnahmen, mit denen Unternehmen den ökologischen Fußabdruck ihrer Verwaltungs- und Bürotätigkeit verringern und gleichzeitig gesundes, produktives Arbeiten ermöglichen. Dazu zählen Energie, Material, Mobilität, Ernährung, Abfall und das soziale Klima. Nachhaltigkeit im Büro ist im engeren Sinn die praktische Umsetzung einer Nachhaltigkeitsstrategie auf der Ebene des täglichen Arbeitsumfelds.
Definition und Einordnung
Maßgebliche Standards für nachhaltige Bürogebäude sind DGNB (Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen), LEED, BREEAM und WELL Building Standard. Für die Innenausstattung greifen Quality Office des Verbands bso, Blauer Engel, Greenguard und Cradle to Cradle. Auf Prozessseite liefern DIN EN ISO 14001 (Umweltmanagementsysteme) und EMAS (Eco-Management and Audit Scheme) den Rahmen für ein systematisches Vorgehen.
Konkrete Maßnahmen
- Energie: LED-Beleuchtung mit Tageslichtsteuerung, Wärmepumpe, Photovoltaik, Lüftung mit Wärmerückgewinnung.
- Möblierung: hochwertige, langlebige Möbel, ersetzbare Bezüge, Rücknahme durch Hersteller.
- Mobilität: JobTicket, JobRad, E-Ladestationen, Bahnvorrang vor Flug.
- IT: Refurbished Hardware, energieeffiziente Server, klimaneutrale Cloud-Anbieter.
- Papier: beidseitiger Druck, Recyclingpapier, digitales Dokumentenmanagement.
- Catering: regional, saisonal, mehr pflanzliche Optionen, Mehrweg statt Einweg.
- Abfall: Trennung nach Wertstoffen, Reduktion von Verpackung, Reparatur vor Neukauf.
Räume und Möbel
Eine durchdachte Büroplanung mit nachhaltigen Materialien, langer Lebensdauer und flexibler Möblierung ist die wichtigste Stellschraube. Hochwertige Möbel halten oft 15 bis 20 Jahre, billige Alternativen werden nach drei bis fünf Jahren ausgetauscht. Die Energiebilanz eines neuen Stuhls ist deutlich höher als die eines bestehenden, gut gepflegten Modells. Wer Möbel mit Greenguard- oder Quality-Office-Zertifikat wählt, vermeidet außerdem Schadstoffe in der Innenraumluft.
IT und Digitalisierung
Digitalisierung kann Nachhaltigkeit unterstützen, aber auch belasten. Effiziente Cloud-Dienste, Refurbished Hardware, lange Lebenszyklen und energieeffiziente Server reduzieren den Fußabdruck. Gleichzeitig erlauben digitale Werkzeuge wie Videokonferenzen oder digitales Dokumentenmanagement, Reisen, Papier und Lager zu reduzieren. IT-Dienstleistungen für den Mittelstand beraten zu effizienter Architektur, klimaneutralen Cloud-Anbietern und sicherer Hardware-Wiederverwendung.
Mitarbeiter beteiligen
Nachhaltigkeit lebt vom Mitmachen. Ideenmanagement, Green Teams, regelmäßige Workshops und sichtbare Ziele machen Beschäftigte zu Mitgestaltern. Studien des Borderstep Instituts zeigen, dass beteiligte Mitarbeitende deutlich mehr Maßnahmen umsetzen als nur informierte. Ein einfaches Ideenboard, Pulsbefragungen zu Mobilität und Materialwahl oder ein interner Nachhaltigkeitsbericht wirken motivierend.
Synonyme
Green Office, nachhaltiges Büro, ökologisches Büro, Sustainable Workplace. Im weiteren Sinn überschneidet sich der Begriff mit Green Building, das Aspekte der Bauphysik und Gebäudetechnik umfasst.
Abgrenzung zu
- Nachhaltiges Unternehmensmanagement: strategischer Rahmen, in den Nachhaltigkeit im Büro eingebettet ist.
- Nachhaltige Materialien: Werkstoff-Fokus, Teil der Möblierung.
- Green Building: baulicher Schwerpunkt, Gebäude und Technik.
- BGM (Betriebliches Gesundheitsmanagement): sozialer Bereich, ergänzt Nachhaltigkeit.
Siehe auch
- Nachhaltiges Unternehmensmanagement
- Nachhaltige Materialien
- Innenraumklima
- Beleuchtungslösungen
- CSR (Corporate Social Responsibility)
Literaturhinweise
- DIN EN ISO 14001: Umweltmanagementsysteme.
- EMAS-Verordnung (EG 1221/2009).
- DGNB-System: Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen.
- WELL Building Standard, IWBI.
- Borderstep Institut: Studien zu nachhaltigem Wirtschaften.
- Quality Office, Verband bso.
