Innenraumklima

Innenraumklima beschreibt die Gesamtheit der physikalischen und chemischen Bedingungen in geschlossenen Räumen. Dazu zählen Temperatur, Luftfeuchte, Luftgeschwindigkeit, Frischluftzufuhr, Kohlendioxidgehalt sowie Belastungen durch flüchtige organische Verbindungen (VOC), Feinstaub und biologische Stoffe wie Schimmelsporen. Im Büro entscheidet das Innenraumklima maßgeblich über Konzentration, Wohlbefinden, Krankenstand und Produktivität. Eine schlechte Luftqualität ist häufig die unsichtbare Ursache für Müdigkeit, Kopfschmerzen und Reizungen.

Bestandteile und Messgrößen

Die DIN EN 16798 (früher DIN EN 15251) und die Arbeitsstättenrichtlinie ASR A3.5 definieren Komfortbereiche für Bürotätigkeiten. Empfohlene Werte sind Raumtemperaturen zwischen 20 und 22 Grad Celsius im Winter, eine relative Luftfeuchte von 30 bis 65 Prozent, eine Luftgeschwindigkeit unter 0,2 Metern pro Sekunde und eine Kohlendioxidkonzentration unter 1.000 ppm (Pettenkofer-Zahl). Werte über 1.500 ppm gelten als hygienisch auffällig und führen messbar zu Konzentrationsverlust.

Sechs Faktoren des Innenraumklimas Temperatur20 bis 22 Gradim Winter Luftfeuchte30 bis 65 Prozentrelative Feuchte CO2-Gehaltunter 1.000 ppm,besser unter 800 Luftbewegungunter 0,2 m/s,keine Zugluft VOC und StaubMöbel, Boden,Drucker, Reinigung StrahlungWandtemperatur,kalte Fenster Beleuchtung500 Lux Arbeitsplatz AkustikNachhall, Pegel
Acht Größen, die das Innenraumklima beschreiben.

Auswirkungen auf die Leistung

Studien aus der Bauphysik und Arbeitsmedizin zeigen, dass die kognitive Leistung bei steigender Kohlendioxidkonzentration messbar abnimmt. In einer viel zitierten Studie der Harvard-Universität (2016) sank die Entscheidungsleistung bei 1.400 ppm CO2 um etwa 50 Prozent gegenüber 600 ppm. Auch zu trockene Luft (unter 30 Prozent) reizt Augen und Atemwege, zu feuchte Luft (über 65 Prozent) begünstigt Schimmelbildung. Wechselnde Bedingungen während des Tages beeinträchtigen Konzentration und Wohlbefinden zusätzlich.

Häufige Probleme im Büro

  • Stickige Luft: CO2-Konzentration steigt schon bei normaler Belegung in einer Stunde über 1.000 ppm.
  • Trockenheit im Winter: niedrige Außentemperaturen führen zu Luftfeuchten unter 30 Prozent.
  • Zugluft: falsch eingestellte Lüftung oder undichte Fenster.
  • Geräusche aus Lüftung: alte oder schlecht gewartete Anlagen erzeugen tieffrequenten Lärm.
  • Schadstoffe aus Möbeln: neue Möbel können in den ersten Wochen flüchtige Verbindungen freisetzen.
  • Schimmelbildung: in Ecken, hinter Schränken oder in Lüftungskanälen, oft bei zu hoher Feuchte.

Maßnahmen zur Verbesserung

Wirksame Maßnahmen reichen von einfachen Verhaltensregeln bis zu technischen Lösungen. Stoßlüften alle ein bis zwei Stunden ist die billigste Methode, um Kohlendioxid und Schadstoffe abzubauen. Mechanische Lüftung mit Wärmerückgewinnung ist effizienter, aber wartungsintensiver. CO2-Ampeln signalisieren akuten Lüftungsbedarf, Hygrometer die Luftfeuchte. Pflanzen verbessern die Luftqualität nur begrenzt, wirken aber positiv auf das Wohlbefinden. Möbel mit niedrigen Emissionen (etwa nach Greenguard, Blauer Engel oder Quality Office) verringern VOC-Eintrag.

Innenraumklima und Möblierung

Möbel, Bodenbeläge und Vorhänge beeinflussen das Klima messbar: Stoffbezüge wirken feuchteregulierend, dichte Holzwerkstoffplatten können VOC abgeben, schwere Vorhänge verbessern die Akustik. Eine durchdachte Büroplanung bezieht Materialwahl, Lüftung und Akustik gemeinsam ein und vermeidet typische Konflikte zwischen Energieeffizienz und Komfort.

Lüftung und Smart-Building-Technik

Moderne Gebäude nutzen Sensoren und Automatik, um Lüftung, Heizung und Beschattung bedarfsgerecht zu steuern. Solche Systeme senken Energiekosten und halten das Innenraumklima konstant. Voraussetzung ist eine vernetzte Gebäudeleittechnik mit gesicherter IT-Struktur. IT-Dienstleistungen für den Mittelstand übernehmen Aufbau und Betrieb solcher Lösungen einschließlich Sicherheitsarchitektur und regelmäßiger Wartung.

Synonyme

Raumklima, Indoor Air Quality (IAQ), Innenraumluft, Bürobedingungen. Im englischen Sprachraum wird oft zwischen Indoor Air Quality (Schadstoffe und CO2) und Indoor Environmental Quality (zusätzlich Akustik, Licht, Temperatur) unterschieden.

Abgrenzung zu

  • Außenluft: liefert Frischluft, ist aber selbst belastet (Feinstaub, NOx).
  • Lüftungsanlage: ein technisches Mittel, kein Klima.
  • Heizung und Klimatisierung: beeinflussen Temperatur und Feuchte, sind Bestandteile, aber nicht das Innenraumklima selbst.
  • Akustik: betrifft Schall, oft separat geregelt, wirkt aber auf das wahrgenommene Klima ein.

Siehe auch

Literaturhinweise

  • DIN EN 16798: Energetische Bewertung von Gebäuden, Lüftung in Gebäuden.
  • ASR A3.5: Raumtemperatur, ASR A3.6: Lüftung.
  • VDI 6022: Hygieneanforderungen an Lüftungs- und Klimaanlagen.
  • Umweltbundesamt: Leitfaden für die Innenraumlufthygiene in Schulgebäuden.
  • Allen J. et al.: Associations of Cognitive Function Scores with Carbon Dioxide, Environmental Health Perspectives 2016.
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