Ergonomische Arbeitsplätze
Ergonomische Arbeitsplätze sind Arbeitsplätze, die nach den Grundsätzen der Ergonomie geplant, ausgestattet und eingerichtet sind. Sie passen sich dem arbeitenden Menschen an und nicht umgekehrt. Im Bürokontext geht es vor allem um den Bildschirmarbeitsplatz, an dem der größte Teil der Arbeitszeit verbracht wird, ergänzt um Bewegungszonen, gute Beleuchtung und ein gesundes Raumklima.
Das Konzept eines ergonomischen Arbeitsplatzes wirkt auf zwei Ebenen. Kurzfristig macht es das Arbeiten angenehmer und produktiver, mittelfristig senkt es Krankenstand, Fluktuation und Folgekosten durch Berufskrankheiten. Studien des Fraunhofer IAO und der BAuA zeigen, dass jeder in Ergonomie investierte Euro über mehrere Jahre den drei- bis fünffachen Betrag an reduzierten Ausfallkosten zurückbringt.
Pflichten des Arbeitgebers:
- Gefährdungsbeurteilung des Arbeitsplatzes nach § 5 ArbSchG, regelmäßig wiederholt
- Bereitstellung passender Möbel, Geräte und Beleuchtung nach Stand der Technik
- Unterweisung der Beschäftigten zu Sitzhaltung, Bildschirmeinstellung und Pausen
- Angebot arbeitsmedizinischer Vorsorge inklusive Augenuntersuchung
- Möglichkeit zum Wechsel zwischen Sitzen und Stehen, ergänzend Bewegungspausen
- Beachtung individueller Bedürfnisse, etwa bei Schwangerschaft, Behinderung oder Größe
Klassische Schwachstellen:
In der Praxis sind Bildschirme zu niedrig (Notebook ohne externen Monitor und Tastatur), Tische nicht höhenverstellbar, Stühle veraltet oder defekt, das Licht zu hell oder zu blendend, Kabel hängen frei herum und engen die Beinfreiheit ein. Im Homeoffice sieht es oft noch schlechter aus, weil hier der Küchentisch oder ein Klappstuhl als Übergangslösung dauerhaft zur Regel wird. Viele dieser Defizite lassen sich mit überschaubarem Aufwand beheben, der Anstoß muss aber von Arbeitgeber und Beschäftigten gemeinsam kommen.
Ergonomische Arbeitsplätze im Mittelstand:
Im Mittelstand lohnt sich ein ergonomisches Standardpaket für jeden neuen Arbeitsplatz. Statt für jede Person einzeln zu beschaffen, definiert man einmal den Mindeststandard (etwa höhenverstellbarer Tisch, Drehstuhl der Klasse Profi, zwei Monitore mit Halterung, ergonomische Tastatur, gute Tischleuchte) und bestellt dieses Paket bei jedem Onboarding mit. Das spart Diskussionen, schafft Gleichbehandlung und macht die Investition planbar. Sonderausstattungen für besondere Bedürfnisse (große Personen, Sehbehinderung, Linkshänder) kommen dann individuell dazu.
Synonyme:
- ergonomische Arbeitsplatzgestaltung
- gesunder Arbeitsplatz
- Bildschirmarbeitsplatz nach DGUV
Abgrenzung zu:
- Computerarbeitsplatz: beschreibt den physischen Aufbau mit Hardware, Ergonomie ist die Qualitätsdimension darüber.
- Homeoffice-Arbeitsplatz: Sonderfall mit eigenen Anforderungen, weil der Arbeitgeber die Räumlichkeiten nicht selbst gestaltet.
- Multifunktionaler Arbeitsplatz: für mehrere Tätigkeiten geeignet, ergonomisch nicht zwingend optimal.
- Activity-Based Workplace: moderne Bürokonzepte mit unterschiedlichen Zonen für verschiedene Aufgaben.
Siehe auch:
- Ergonomie
- Ergonomische Stühle
- Computerarbeitsplatz
- Bürostuhl
- DGUV
Literaturhinweise:
- DGUV Information 215-410: „Bildschirm- und Büroarbeitsplätze. Leitfaden für die Gestaltung“.
- Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) und Anhang Ziff. 6 zu Bildschirmarbeitsplätzen.
- BAuA: „baua: Praxis – Gesund am Bildschirm“, aktuelle Auflage.
- Fraunhofer IAO: Studien zur Office Excellence, abrufbar unter office21.de.
