TQM (Total Quality Management)
Total Quality Management (TQM) ist ein umfassender Managementansatz, der Qualität als Aufgabe aller Beschäftigten und aller Unternehmensbereiche begreift. Geprägt wurde er durch japanische Industrie nach dem Zweiten Weltkrieg, vor allem durch die Arbeit von W. Edwards Deming, Joseph M. Juran und Kaoru Ishikawa bei Toyota und anderen Konzernen. In den 1980er-Jahren übernahmen westliche Unternehmen die Methodik, vor allem in Reaktion auf den Qualitätsvorsprung japanischer Hersteller. TQM verbindet Qualitätsphilosophie, kontinuierliche Verbesserung (Kaizen), Kundenorientierung und konsequente Mitarbeiterbeteiligung.
Grundprinzipien
- Kundenorientierung: Qualität wird nicht im Werk definiert, sondern vom Kunden. Was er nicht wahrnimmt, ist auch keine Qualität.
- Prozessorientierung: Qualität entsteht im Prozess, nicht in der Endkontrolle. Fehler werden dort behoben, wo sie entstehen.
- Mitarbeiterbeteiligung: Wer am Prozess arbeitet, kennt ihn am besten. Verbesserungsvorschläge kommen von unten, nicht von oben.
- Kontinuierliche Verbesserung (Kaizen): Viele kleine Schritte schlagen den großen Wurf. Der PDCA-Zyklus läuft permanent.
- Faktenbasierte Entscheidungen: Daten und Messungen statt Bauchgefühl. Sieben Qualitätswerkzeuge nach Ishikawa als Standard.
- Führung als Vorbild: Qualität ist Chefsache. Ohne Rückendeckung der Geschäftsführung scheitert TQM.
Abgrenzung zu QMS und ISO 9001
TQM und Qualitätsmanagementsysteme nach ISO 9001 verfolgen ähnliche Ziele, sind aber unterschiedlich aufgebaut. ISO 9001 ist normbasiert und auf Zertifizierung ausgerichtet, also ein dokumentiertes System mit Prüfaudits. TQM ist eine Philosophie, die in das gesamte Unternehmen einsickert und sich nicht an einer Norm festmacht. In der Praxis ergänzen sich beide: ein zertifiziertes QMS schafft die Struktur, TQM die Kultur. Das EFQM-Modell (European Foundation for Quality Management) ist der bekannteste Excellence-Rahmen, der TQM-Gedanken systematisiert.
TQM in KMU
Mittelständische Unternehmen scheitern selten an der Methodik, sondern am Durchhalten. TQM braucht Jahre, nicht Monate. Wer die Sieben-Werkzeuge-Checkliste durchzieht (Ursache-Wirkungs-Diagramm, Pareto-Analyse, Histogramm, Streudiagramm, Regelkarte, Datenblatt, Flussdiagramm) und konsequent dokumentiert, hat den größten Teil der Reise schon hinter sich. Wichtig ist, dass die Geschäftsführung sichtbar mitmacht und nicht nach drei Monaten zur nächsten Methode springt.
Räume und Werkzeuge
TQM-Workshops und Audits brauchen ungestörte Räume mit guter Akustik und ausreichend Wandfläche für Visualisierung. Eine durchdachte Büroplanung mit Mehrzweckräumen und Whiteboard-Wänden unterstützt die Methodik. IT-Dienstleistungen für den Mittelstand begleiten bei der Einführung von Auditsoftware und Business-Process-Management-Tools.
Synonyme
Total Quality, ganzheitliches Qualitätsmanagement, umfassendes Qualitätsmanagement, EFQM-Excellence (im weiteren Sinn).
Siehe auch
- Qualitätsmanagementsysteme (QMS)
- Kontinuierliche Verbesserung (Kaizen)
- Lean Management
- Lean Six Sigma
- Prozessoptimierung
Literaturhinweise
- W. Edwards Deming: Out of the Crisis. 1986.
- Joseph M. Juran: Juran on Quality by Design. 1992.
- Kaoru Ishikawa: What Is Total Quality Control? The Japanese Way. 1985.
- EFQM: The EFQM Model. Brüssel, aktuelle Fassung.
