Unternehmenswerte

Unternehmenswerte sind die expliziten Leitprinzipien, an denen sich Entscheidungen, Verhalten und Zusammenarbeit in einem Unternehmen orientieren sollen. Im Drei-Ebenen-Modell der Unternehmenskultur nach Edgar Schein liegen sie auf der zweiten Ebene: bewusst formuliert, von der Geschäftsführung bekundet, aber nicht zwingend gelebt. Genau hier entscheidet sich der Praxiswert: Werte, die nur an der Wand hängen, sind eher Marketing als Führungsinstrument. Werte, die in Einstellungs-, Beförderungs- und Kündigungsentscheidungen sichtbar werden, prägen die Kultur tatsächlich.

Vier Tests für brauchbare Unternehmenswerte Was den Unterschied zwischen Posterware und gelebten Werten macht 1. Spezifisch „Verantwortung übernehmen, auch wenn es weh tut“ Statt: Verantwortung, Qualität, Innovation, Teamgeist. 2. Differenzierend Würde der Wettbewerb das Gegenteil behaupten? Wenn nein, ist der Wert austauschbar und damit nutzlos. 3. In Prozessen verankert Einstellung, Beförderung, Kündigung folgen den Werten. Wer einen Wert verletzt, spürt das. Wer ihn lebt, wird belohnt. 4. Mit Konsequenz versehen Werte, die nichts kosten, sind keine Werte. Beispiel: Trotz attraktiven Auftrags Nein sagen.

Werte definieren ohne Floskeln

Die häufigste Schwäche bei Unternehmenswerten ist nicht die Auswahl, sondern die Formulierung. „Innovation“, „Qualität“ und „Kundenorientierung“ sind keine Werte, sondern Lippenbekenntnisse, weil kein Wettbewerber je das Gegenteil ausrufen würde. Brauchbare Werte sind formuliert wie Handlungsanweisungen: „Wir liefern lieber später als unfertig“ wirkt anders als „Qualität ist uns wichtig“. Ein guter Test ist die Frage: Würde die Geschäftsführung diesen Wert auch dann durchhalten, wenn er einen Auftrag kostet.

Werte und Generationenwechsel

Im inhabergeführten Mittelstand sind Unternehmenswerte oft eng mit der Person des Inhabers verbunden. Mit dem Generationenwechsel oder dem Eintritt externer Manager verlieren sie an Selbstverständlichkeit und brauchen explizite Formulierung. Wer das nicht aktiv steuert, erlebt Wertekonflikte zwischen alter und neuer Führung, die das Tagesgeschäft jahrelang lähmen. Eine systematische Werte-Erhebung mit Mitarbeitern, eine klare Formulierung und die konsequente Verankerung in Personalprozessen lohnen sich gerade in dieser Phase.

Räume und Werkzeuge

Werte zeigen sich auch im Raum. Wer Offenheit lebt, sitzt nicht hinter einer verschlossenen Bürotür. Wer Augenhöhe ernst meint, gibt nicht der Geschäftsführung das doppelt so große Möbelstück. Eine durchdachte Büroplanung kann Werte unterstützen oder konterkarieren. Ein Wertekatalog, dem die Möblierung widerspricht, wird unglaubwürdig.

Synonyme

Corporate Values, Leitwerte, Unternehmensgrundsätze, Wertekanon.

Siehe auch

Literaturhinweise

  • Edgar H. Schein: Organizational Culture and Leadership. 2017.
  • Patrick Lencioni: Make Your Values Mean Something. Harvard Business Review, 2002.
  • Shalom H. Schwartz: Universals in the Content and Structure of Values. 1992.
« Alle Begriffe im Unternehmenslexikon anzeigen