Unternehmenskultur
Unternehmenskultur ist die Gesamtheit der gemeinsamen Werte, Normen, Überzeugungen und ungeschriebenen Regeln, die das Verhalten in einer Organisation prägen. Sie zeigt sich in jeder Kleinigkeit: wie Meetings ablaufen, wer wann grüßt, wie Konflikte ausgetragen werden und welche Mails am Wochenende beantwortet werden. Der Klassiker zur Strukturierung des Begriffs ist das Drei-Ebenen-Modell von Edgar Schein (1985), das zwischen sichtbaren Artefakten, bekundeten Werten und unbewussten Grundannahmen unterscheidet. Die unsichtbare Tiefenschicht ist meist die wirkungsvollste, aber auch die schwerste zu verändern.
Vier Kulturtypen nach Cameron und Quinn
Wer Kultur greifbarer machen will, kommt um das Competing Values Framework von Kim Cameron und Robert Quinn (1999) nicht herum. Es beschreibt vier Idealtypen: Clan-Kultur (familiär, kooperativ), Adhocracy-Kultur (innovativ, risikobereit), Markt-Kultur (ergebnis- und wettbewerbsorientiert) und Hierarchie-Kultur (regelorientiert, stabil). Reale Unternehmen sind Mischformen, aber meist mit deutlichem Schwerpunkt. KMU mit Inhaberführung tendieren oft stark zur Clan-Kultur, was bei Wachstum oder Generationswechsel zur Belastungsprobe wird.
Kulturwandel
Kultur lässt sich nicht per Memo verordnen. Wer sie verändern will, muss an allen drei Schein-Ebenen ansetzen: an sichtbaren Strukturen (Räume, Meetings, Anreize), an bekundeten Werten (Leitbild, Führungsleitlinien) und vor allem an Grundannahmen, die sich nur über Vorbild, Geschichten und konsistentes Handeln über Jahre verändern. Studien (z. B. McKinsey Organizational Health Index) zeigen, dass ernsthafter Kulturwandel mindestens drei bis fünf Jahre braucht, oft länger. Das ist der Hauptgrund, warum so viele „Kultur-Initiativen“ scheitern: zu kurzer Atem, zu schmale Maßnahmen.
Räume und Werkzeuge
Räume sind sichtbare Artefakte und prägen Kultur direkter, als viele glauben. Offene Bereiche signalisieren Transparenz, Einzelbüros Hierarchie, Loungebereiche Beteiligung. Eine durchdachte Büroplanung ist deshalb auch ein Kultur-Statement. Wer Zusammenarbeit fördern will, kann nicht alles in geschlossene Zellenbüros stecken. Wer konzentriertes Arbeiten ernst nimmt, braucht ebenso Rückzugsräume.
Synonyme
Corporate Culture, Organisationskultur, Firmenkultur, Betriebskultur.
Siehe auch
Literaturhinweise
- Edgar H. Schein: Organizational Culture and Leadership. 1985, aktuelle Auflage 2017.
- Kim S. Cameron, Robert E. Quinn: Diagnosing and Changing Organizational Culture. 1999.
- Geert Hofstede: Culture’s Consequences. 1980.
- Sonja Sackmann: Unternehmenskultur. Erkennen, entwickeln, verändern. 2017.
