Kreativitätstechniken
Kreativitätstechniken sind systematische Methoden, mit denen Einzelne und Teams in begrenzter Zeit eine größere Zahl an Ideen erzeugen, sortieren und weiterentwickeln. Sie kommen vor allem dort zum Einsatz, wo neue Lösungen, Produkte, Dienstleistungen oder Geschäftsmodelle gesucht werden, etwa im Innovationsmanagement, in der Produktentwicklung, im Marketing oder bei der Prozessverbesserung. Anders als spontaner Austausch folgen Kreativitätstechniken klaren Regeln und Phasen, die divergentes (Ideen ausweiten) und konvergentes Denken (Ideen bewerten) bewusst trennen.
Definition und Hintergrund
Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Kreativität geht zurück auf die Arbeiten von Alex Osborn (Brainstorming, 1953), Edward de Bono (Six Thinking Hats, 1985) und Genrich Altschuller (TRIZ, ab 1956). Die Methoden basieren auf Erkenntnissen der Kreativitätsforschung und Kognitionspsychologie. Wichtige Grundregel ist die Trennung von Ideenproduktion und Bewertung: Solange Ideen gesammelt werden, gibt es keine Kritik. Erst danach wird aussortiert und priorisiert.
Auswahl der passenden Methode
- Wenig Zeit, kleines Team: Brainstorming oder Brainwriting 6-3-5.
- Kontroverse Themen: Six Thinking Hats, um Sichtweisen zu trennen.
- Komplexe Probleme: Morphologischer Kasten oder TRIZ.
- Visuelle Strukturierung: Mind Mapping, geeignet für Vorbereitung und Nachbereitung.
- Festgefahrene Diskussion: Reizwortanalyse oder Walt-Disney-Methode.
- Verbesserung bestehender Lösungen: SCAMPER mit gezielten Veränderungsfragen.
Phasen einer Kreativsitzung
Eine effektive Kreativsitzung folgt einem klaren Ablauf: Klärung der Frage, kurzes Aufwärmen, divergente Ideenphase mit Methode, Sammlung und Clusterung, Bewertung mit definierten Kriterien, Auswahl von zwei bis drei Favoriten, Festlegung der nächsten Schritte. Faustregel: Etwa 60 Prozent der Zeit für divergentes, 40 Prozent für konvergentes Denken. Eine Moderation hält Tempo und Spielregeln ein, ohne die inhaltliche Arbeit selbst zu übernehmen.
Räume und Werkzeuge
Kreativarbeit braucht Sichtbarkeit und Bewegung. Whiteboards und Pinnwände an mehreren Wänden, mobile Tische, Stehbereiche, gut erreichbare Klebezettel und Stifte machen einen messbaren Unterschied. Studien aus der Umweltpsychologie zeigen, dass Räume mit Tageslicht, Pflanzen, einer gewissen Materialvielfalt und guter Akustik kreatives Denken fördern. Eine durchdachte Büroplanung sieht solche Mehrzweckräume von Anfang an vor und erleichtert Kreativsitzungen messbar. Auf der digitalen Seite ergänzen kollaborative Whiteboards wie Miro oder Mural die analoge Arbeit, vor allem bei verteilten Teams. IT-Dienstleistungen für den Mittelstand sorgen für eine sichere Plattform und Datenschutz nach DSGVO.
Häufige Fehler
- Frühe Bewertung von Ideen, was die Beteiligung bremst.
- Zu große Gruppen ohne Untergruppen, in denen sich Stille hält.
- Fehlende Vorbereitung und unklare Fragestellung.
- Konzentration auf eine Methode, statt Methodenwechsel je nach Phase.
- Keine konsequente Weiterbearbeitung der Ergebnisse, die im Sande verlaufen.
Synonyme
Ideenfindungsmethoden, Innovationsmethoden, Creative Techniques. Im Kontext von Design Thinking und Innovationsmanagement werden Kreativitätstechniken oft Bestandteil eines größeren Methodensets, etwa der Ideation-Phase im Design-Sprint.
Abgrenzung zu
- Design Thinking: umfassender Prozess, der Kreativitätstechniken nutzt.
- Lean Startup: Prozess für Geschäftsmodellentwicklung mit MVPs.
- TRIZ: systematische Erfindungslehre, anspruchsvoller, eher technisch geprägt.
- Vorschlagswesen: organisatorischer Rahmen für Ideen aus dem Tagesgeschäft.
Siehe auch
- Innovationsmanagement
- Design Thinking
- Interne Unternehmensinnovationen
- Crowdsourcing
- Change Management
Literaturhinweise
- Osborn, A.: Applied Imagination, Creative Education Foundation.
- de Bono, E.: Six Thinking Hats, Penguin.
- Altschuller, G.: TRIZ, Theorie des erfinderischen Problemlösens.
- Schlicksupp, H.: Innovation, Kreativität und Ideenfindung, Vogel.
- Brown, T.: Change by Design, HarperBusiness.
