Design Thinking

Design Thinking ist eine Methode, mit der Teams Probleme aus Sicht der Nutzer angehen und in mehreren Iterationen Lösungen entwickeln. Im Mittelpunkt steht die Frage, was Menschen wirklich brauchen, nicht was technisch machbar oder strategisch wünschenswert wäre. Der Ansatz mischt kreative Arbeitsweisen aus Design und Architektur mit den analytischen Werkzeugen aus Ingenieurwesen und BWL. Verbreitet wurde Design Thinking durch die Stanford University (d.school) und das Hasso-Plattner-Institut in Potsdam, das den Ansatz seit 2007 in Deutschland akademisch verankert.

Die Methode arbeitet mit einem Prozess aus fünf Phasen, der nicht linear durchlaufen wird, sondern beliebig oft Schleifen zurück macht. Erkenntnisse aus späteren Phasen führen regelmäßig dazu, dass das Team noch einmal von vorn anfängt, das Problem neu definiert oder andere Nutzer befragt. Dieses Springen zwischen Verstehen und Bauen ist gewollt und macht den Unterschied zur klassischen Wasserfall-Projektarbeit aus.

Die fünf Phasen im Design Thinking Prozess Empathize, Define, Ideate, Prototype, Test als horizontaler Ablauf mit Rückkopplungspfeilen. Der Design-Thinking-Prozess 1 EMPATHIZE Verstehen Interviews, Beobachtung 2 DEFINE Definieren Problem- Statement 3 IDEATE Ideen Brainstorming, Bewertung 4 PROTOTYPE Prototyp Pappe, Klick- dummy, Mockup 5 TEST Testen Mit echten Nutzern prüfen Iterativ: jederzeit zurück zu früheren Phasen Modell d.school Stanford, IDEO und HPI Potsdam
Die fünf Phasen sind ein Rahmen, kein starres Vorgehen. Wer dazwischen springt, macht es richtig.

Die fünf Phasen im Detail:

Empathize: Nutzer beobachten, befragen, begleiten. Es geht nicht um Marktforschung im klassischen Sinn, sondern um echtes Verstehen von Routinen, Schmerzpunkten und unausgesprochenen Wünschen. Methoden sind Tiefeninterviews, Shadowing, Tagebücher und Empathy Maps.

Define: Erkenntnisse verdichten und ein scharfes Problem-Statement formulieren, idealerweise als sogenannte „Point of View“ oder „How might we“-Frage. Wer hier scharf bleibt, spart sich später viele Schleifen.

Ideate: So viele Ideen wie möglich produzieren, ohne zu früh zu bewerten. Klassische Werkzeuge sind Brainstorming, Brainwriting, Crazy 8s, SCAMPER. Erst danach wird sortiert und priorisiert.

Prototype: Ideen schnell und billig sichtbar machen. Pappkartonage, Wireframe, Klickdummy, Rollenspiel, alles ist erlaubt. Das Prinzip lautet: lieber zehn schlechte Prototypen als ein perfekter, der nicht überzeugt.

Test: Prototyp echten Nutzern in die Hand geben und beobachten. Ehrliche Reaktionen sammeln, dokumentieren und entscheiden, ob die Idee tragfähig ist oder ob das Team in eine frühere Phase zurück muss.

Anwendungsfelder im Mittelstand:

  • Entwicklung neuer Produkte oder Dienstleistungen, vor allem wenn die Zielgruppe schwer greifbar ist
  • Überarbeitung digitaler Prozesse, Kundenportale oder Mitarbeiter-Apps
  • Reorganisation interner Abläufe, etwa Onboarding, Beschwerdemanagement, Reisekostenabrechnung
  • Strategieworkshops, in denen unterschiedliche Abteilungen ein gemeinsames Verständnis aufbauen sollen
  • Begleitung von Change-Prozessen, in denen Mitarbeitende Lösungen aktiv mitgestalten

Was es im Unternehmen braucht:

Design Thinking funktioniert nicht im Sitzungszimmer, in dem alle ihre Laptops aufklappen. Es braucht offene Räume, Wandflächen für Post-its, Material, das man anfassen kann. Ein klassischer Konferenzraum mit großem Tisch ist eher ein Hindernis als eine Hilfe. Sinnvoll sind Zonen mit beweglichen Tischen, Whiteboards, Stehtischen und ein angrenzender Bereich mit gemütlichen Lounge-Möbeln, in den sich Teilnehmer für ruhige Gespräche oder Pausen zurückziehen können. Genauso wichtig ist die Haltung: Hierarchien zur Tür, ehrliches Zuhören, Lust auf Unfertiges.

Grenzen der Methode:

Design Thinking ist kein Wundermittel. Bei klar definierten Optimierungsproblemen, regulatorischen Vorgaben oder rein technischen Fragen ist eine klassische Projektmethode meist effizienter. Auch in Organisationen mit ausgeprägter Top-Down-Kultur kann der Ansatz scheitern, wenn die Ergebnisse anschließend nicht ernst genommen werden. Die Methode lebt von Vertrauen, Offenheit und der Bereitschaft, Annahmen über Bord zu werfen.

Synonyme:

  • Design-Thinking-Prozess
  • nutzerzentrierte Innovationsmethode
  • Human-Centered Design (verwandt, nicht identisch)

Abgrenzung zu:

  • Agile Methoden (Scrum, Kanban): regeln die Umsetzung in Iterationen, Design Thinking liefert davor das richtige Problemverständnis.
  • Lean Startup: stärker auf Geschäftsmodelle und Markttests fokussiert, baut auf Design-Thinking-Erkenntnissen auf.
  • Klassisches Projektmanagement: arbeitet mit fixen Spezifikationen, Design Thinking lässt das Ziel bewusst lange offen.
  • Kreativitätstechniken: einzelne Werkzeuge wie Brainstorming, Design Thinking ist der übergeordnete Prozess.

Siehe auch:

Literaturhinweise:

  • Plattner, Hasso; Meinel, Christoph; Weinberg, Ulrich: „Design Thinking. Innovation lernen, Ideenwelten öffnen“. mi-Wirtschaftsbuch, 2009.
  • Brown, Tim: „Change by Design. How Design Thinking Transforms Organizations and Inspires Innovation“. HarperBusiness, 2009.
  • Lewrick, Michael; Link, Patrick; Leifer, Larry: „Das Design Thinking Playbook“. Vahlen, 2. Auflage 2018.
  • Hasso-Plattner-Institut Potsdam: Forschungs- und Lehrmaterialien School of Design Thinking, abrufbar unter hpi.de.
« Alle Begriffe im Unternehmenslexikon anzeigen