Prozessdokumentation
Prozessdokumentation ist die strukturierte Beschreibung von Geschäftsprozessen, mit der Verantwortliche, Beteiligte und Externe einen Prozess verstehen, ausführen oder weiterentwickeln können. Sie dient als Grundlage für Schulung, Qualitätsmanagement, Audits, Übergaben bei Stellenwechsel, Automatisierung und kontinuierliche Verbesserung. Im Mittelstand entscheidet eine schlanke, lebende Prozessdokumentation darüber, ob Wissen verlässlich verfügbar bleibt oder ob es mit einzelnen Personen verschwindet.
Definition und Einordnung
Maßgebliche Standards sind die DIN EN ISO 9001 (Qualitätsmanagement), die für relevante Prozesse dokumentierte Information verlangt, und die Notation BPMN 2.0 (Business Process Model and Notation) für die grafische Darstellung. Ergänzend kommt die ARIS-Methodik (Architektur integrierter Informationssysteme) zum Einsatz, vor allem in größeren Unternehmen. Im Bereich Compliance und Datenschutz verlangen DSGVO und LkSG Nachweise zu zentralen Prozessen, etwa bei Auftragsverarbeitung oder Lieferantenprüfung.
Darstellungsformen
- BPMN 2.0: grafische Notation, international verbreitet, gut für komplexe Prozesse.
- Flow-Chart: einfache Ablaufdiagramme mit Symbolen für Start, Aktion, Entscheidung.
- Swimlane-Diagramm: Spalten je Verantwortlichem, gut für Übergaben und Schnittstellen.
- Textbasierte Prozessbeschreibung: Schritt-für-Schritt mit Verantwortlichen und Werkzeugen.
- Video-Tutorials: Bildschirmaufnahmen für IT-Prozesse, oft im Onboarding hilfreich.
- Wiki-Beschreibung: in Confluence, Notion oder dem Intranet, leicht aktuell zu halten.
Praxis im Mittelstand
Im Mittelstand bewährt sich eine schlanke Mischung: ein BPMN-Diagramm für die zentralen Schritte, eine textbasierte Beschreibung mit Verantwortlichen und Werkzeugen, eine Liste der Schnittstellen und ein klarer Owner mit Review-Termin (mindestens jährlich). Komplexe ARIS-Modelle sind selten nötig. Wichtig ist, die Dokumentation lebend zu halten: Nach jeder größeren Änderung wird sie überprüft, nicht erst zum nächsten Audit.
Werkzeuge
Im Markt finden sich BPMN-Tools wie Bizagi, Camunda Modeler, Lucidchart, Signavio und Microsoft Visio. Wikis wie Confluence, Notion oder das Intranet bieten textbasierte Pflege mit Versionsgeschichte. Wichtig sind Suche, Versionierung, Berechtigungskonzept und Anbindung an HR-System für Onboarding. IT-Dienstleistungen für den Mittelstand kümmern sich um Auswahl, sichere Anbindung und DSGVO-konformen Betrieb.
Räume und Arbeit
Prozessdokumentations-Workshops leben von visueller Arbeit am Whiteboard, mobilen Möbeln und ausreichend Stellfläche für Pinnwände. Eine durchdachte Büroplanung sieht solche Mehrzweckräume vor, in denen Beschäftigte Prozesse gemeinsam erfassen und visualisieren können.
Synonyme
Prozessbeschreibung, Standard Operating Procedure (SOP), Verfahrensanweisung, Process Documentation. SOP wird vor allem im englischen Sprachraum genutzt und meint detaillierte Schritt-für-Schritt-Anleitungen.
Abgrenzung zu
- Prozessmodellierung: grafische Erstellung des Modells.
- Prozessanalyse: Untersuchung des Modells auf Schwachstellen.
- Wissensmanagement: umfasst zusätzlich Erfahrungen, Know-how und Lessons Learned.
- Arbeitsanweisung: kürzer und tätigkeitsorientiert, oft Bestandteil einer SOP.
Siehe auch
- Prozessanalyse
- Geschäftsprozessoptimierung
- Compliance Management
- digitales Dokumentenmanagement
- Wissensmanagement
Literaturhinweise
- OMG: Business Process Model and Notation (BPMN) 2.0.
- DIN EN ISO 9001: Qualitätsmanagementsysteme, Anforderungen.
- Schmelzer, H. / Sesselmann, W.: Geschäftsprozessmanagement in der Praxis, Hanser.
- Allweyer, T.: BPMN 2.0, Books on Demand.
- Scheer, A.: ARIS, Springer.
