Homeoffice kann Freiheit bedeuten. Mehr Ruhe, weniger Fahrzeit, mehr Flexibilität. Aber was passiert, wenn daraus plötzlich Einsamkeit wird? In Folge 30 sprechen Paul und Henry darüber, warum Remote-Arbeit nicht für jeden Menschen gleich gut funktioniert, wie Teams trotz Distanz in Kontakt bleiben und warum Führungskräfte beim Thema Homeoffice genauer hinschauen müssen.
Warum Henry lieber im Büro ist
Paul: Henry, erzähl doch mal. Wie nimmst du Homeoffice wahr, auch bei dir im Team? Ist Einsamkeit da ein Thema und wie geht man damit um?
Henry: Ich mache selbst fast kaum Homeoffice, wenn ich ehrlich bin. Das hat auch einen Grund: Ich mag es, hier zu sein und unter Menschen zu sein. Für mich ist das Büro auch wichtig, um nach Feierabend abschalten zu können. Ich gehe aus der Tür raus und dann sind die Themen vom Tag für mich erledigt. Dieses klare Ende hätte ich im Homeoffice so nicht.
Paul: Das ist spannend, weil Homeoffice ja oft mit Ruhe verbunden wird. Aber bei dir geht es eher darum, Arbeit und Privatleben voneinander zu trennen.
Henry: Genau. Wenn Leute nur im Homeoffice sind, muss man bewusst Möglichkeiten schaffen, damit sie miteinander kommunizieren können. Sonst ist man schnell raus aus dem Teamgefühl, auch wenn fachlich eigentlich alles läuft.
Kleine Rituale halten Teams zusammen
Henry: Wir haben im Innendienst zum Beispiel einen Chat, in dem morgens kurz guten Morgen gesagt wird. Dann weiß man: Die Person ist da, die ist anwesend. Und wenn jemand zum Mittagessen geht oder kurz außer Haus ist, wird das auch geschrieben. Das klingt banal, aber es bindet die Leute wieder ein bisschen zusammen.
Paul: Also nicht Kontrolle, sondern Sichtbarkeit?
Henry: Genau. Es geht nicht darum, jeden Schritt zu überwachen. Es geht darum, dass man voneinander mitbekommt: Wer ist da, wer ist gerade weg, was passiert im Team? Und dann hilft es auch, Leute einfach mal anzurufen. Nicht nur wegen Arbeit, sondern auch mal kurz fragen: Wie läuft es, was machst du so, was gibt es Neues?
Paul: Das ersetzt ein Stück weit den kurzen Kaffeeweg im Büro. Dieses spontane Gespräch, das sonst nebenbei passiert.
Henry: Ja, wobei jedes Unternehmen da anders ist. Man muss schauen, wie das Team miteinander umgeht. Aber wenn dieser kleine private Austausch komplett wegfällt, dann fehlt irgendwann mehr als nur Information.
Homeoffice ist nicht automatisch ruhiger
Paul: Bei mir ist es tatsächlich fast andersherum. Ob ich im Homeoffice bin oder im Büro: Mein Teams glüht eigentlich immer. Manchmal habe ich in der Firma sogar mehr Ruhe, weil ich Dinge direkt auf dem Weg, beim Kaffee oder kurz im Büro kläre. Dann ist das Thema abgehakt.
Henry: Es ist eben eine andere Kommunikationsform. Wenn du im Büro bist, kommen Leute direkt zu dir oder du gehst zu ihnen. Wenn du zu Hause bist, bleibt oft nur der Anruf oder Teams. Und wenn du sowieso viel Kundenkontakt hast, kann das intern auch blockieren, weil du dauernd zwischen Gesprächen und Abstimmungen springst.
Paul: Genau. Man denkt schnell: Homeoffice bedeutet weniger Unterbrechung. Aber manchmal verschiebt sich die Unterbrechung nur in andere Kanäle.
Henry: Und dann kann es für manche Leute sogar anstrengender werden. Vor allem, wenn man nicht sauber merkt, wann der Arbeitstag eigentlich vorbei ist.
Nicht jeder Mensch ist für reines Homeoffice gemacht
Paul: Wir hatten mal eine Vertrieblerin, die sechs Wochen bei uns war. Sie wohnte in Thüringen und wollte für uns im Vertrieb arbeiten. Für sie war es extrem schlimm, viele Stunden allein zu Hause zu sitzen, Angebote zu schreiben und ihre Arbeit zu machen, ohne diesen sozialen Kontakt. Am Ende hat sie gesagt: Das ist nicht mein Job, das kann ich nicht machen.
Henry: Das zeigt ganz gut: Wenn jemand sagt, ich wohne in Dresden und möchte in Hamburg arbeiten, dann muss man schon schauen, ob man der Typ dafür ist. Es braucht Regeln, Struktur und auch die ehrliche Frage: Fühle ich mich damit wirklich wohl?
Paul: Gerade wenn man allein lebt oder wenig feste Abläufe hat, wird Tagesstruktur wichtig. Aufstehen, fertig machen, frühstücken, an den Arbeitsplatz gehen. Und eben auch: Wann höre ich auf?
Henry: Das wäre mein Problem. Ich würde wahrscheinlich irgendwann feststellen: Mist, es ist 21 Uhr und ich sitze immer noch hier. Im Büro merkst du eher, dass der Tag zu Ende geht. Die anderen gehen, du gehst raus, der Arbeitsort bleibt zurück.
Im Homeoffice nicht unsichtbar werden
Paul: Im Homeoffice nicht unsichtbar zu werden, finde ich einen wichtigen Punkt. Das ist für mich auch ein Führungsthema. Unsichtbar heißt ja nicht nur: Die Kollegen sehen mich nicht. Es kann auch heißen: Meine Arbeit wird nicht mehr richtig wahrgenommen oder wertgeschätzt.
Henry: Absolut. Als Führungskraft muss man bewusst mit den Leuten sprechen, die im Homeoffice sind. Nicht erst dann, wenn etwas nicht funktioniert. Auch mal anrufen und fragen: Wie geht es dir? Was liegt gerade an? Gibt es etwas, worüber wir reden müssen?
Paul: Und es ist nicht nur Aufgabe der Führungskraft. Mitarbeiter können genauso sagen: Ich rufe meinen Chef oder meine Kollegin mal an, weil wir lange nicht gesprochen haben. Das muss in beide Richtungen funktionieren.
Henry: Genau. Am Ende ist es Firmenkultur. Homeoffice gibt es zwar jetzt schon ein paar Jahre, aber viele Strukturen sind noch relativ neu. Jedes Unternehmen muss für sich herausfinden, wie man Kollegen einbindet und wie man verhindert, dass jemand im Hintergrund verschwindet.
Das Takeaway: Kontakt muss geplant werden
Paul: Wenn man es zusammenfasst: Homeoffice funktioniert nicht einfach dadurch, dass jeder einen Laptop bekommt. Es braucht Rituale, klare Kommunikation und manchmal auch den ganz einfachen Satz: Ruf mich an, wenn du kurz quatschen willst.
Henry: Ja. Man muss nicht jeden Tag künstlich Gespräche erzwingen. Aber einmal die Woche fünf Minuten reden, wie beim Kaffee im Büro, kann schon viel verändern. Sonst gehen Themen verloren, und irgendwann auch Menschen.
Paul: Dann freuen wir uns, wenn ihr uns liked, folgt und vielleicht einen Kommentar dalasst: Wie macht ihr das bei euch? Funktioniert Homeoffice gut oder fehlt euch manchmal der Kontakt?
Folge uns bei:
Spotify: Der Büro Experte Podcast
YouTube: Der Büro Experte auf YouTube
Apple Podcast: Der Büro Experte bei Apple Podcasts
