Farbauswahl und Kombination

Farbauswahl und Kombination im Büro sind keine reine Geschmacksfrage, sondern ein gestaltungs- und arbeitspsychologisches Werkzeug. Farben beeinflussen, wie konzentriert, entspannt oder kreativ Menschen arbeiten, wie sie Räume wahrnehmen und wie sie die Marke des Unternehmens erleben. Die richtige Auswahl orientiert sich an drei Faktoren: der Tätigkeit im Raum, der Corporate Identity und den optischen Eigenschaften des Raums selbst (Größe, Lichteinfall, Deckenhöhe).

Im Mittelstand wird Farbe oft stiefmütterlich behandelt: Wände grau oder weiß streichen, Möbel in Standard-Buche bestellen, fertig. Das funktioniert, verschenkt aber Potenzial. Wer mit Farbe gezielt arbeitet, kann ohne große Umbauten die Atmosphäre eines Büros komplett verändern und nebenbei die Markenwirkung verstärken.

Farbwirkung und Einsatzbereich Vier Farbgruppen mit Wirkung und passenden Einsatzbereichen. Farbgruppen und Wirkung BLAU / GRÜN kühl Konzentration senkt Puls, fördert Ruhe Einzelbüros, Bibliothek, Ruhezonen ORANGE / GELB warm Aktivierung macht wach, fördert Kommunikation Meeting, Sozialräume, Empfang BEIGE / SAND neutral Hintergrund wirkt zeitlos, verträgt Akzente große Wandflächen, Boden, Decken ANTHRAZIT / SCHWARZ dunkel Eleganz sparsam einsetzen, erdrückt sonst Akzentwand, Möbelrahmen Faustregel: 60 Prozent neutral, 30 Prozent Sekundärfarbe, 10 Prozent Akzent
Wer alles in CI-Farbe streicht, bekommt eine Markenausstellung statt eines Büros.

Die 60-30-10-Regel:

Die Faustregel der Innenarchitektur funktioniert auch im Büro. 60 Prozent der sichtbaren Fläche wird in einer neutralen Hauptfarbe gehalten (Wände, große Möbelflächen), 30 Prozent in einer Sekundärfarbe (Polstermöbel, Vorhänge, Teppich), 10 Prozent in einer Akzentfarbe (Kissen, Bilder, Pflanzen, Logo). Diese Aufteilung wirkt harmonisch und lässt sich leicht aktualisieren, indem man nur die 10-Prozent-Akzente austauscht. Wer alle drei Bereiche gleich stark einfärbt, landet schnell bei einem unruhigen Bild.

Farbe und Tätigkeit:

  • Konzentriertes Arbeiten: kühle, helle Farben (Blau, Grün, helles Grau), wenig Reize, ruhige Wandflächen.
  • Kreativarbeit: warme Akzentfarben (Orange, Gelb, helles Rot), Materialmix, abwechslungsreiche Texturen.
  • Besprechung: mittlere Helligkeit, freundliche Farben, keine Extreme, die ablenken.
  • Empfang: CI-Farbe gezielt einsetzen, kontrastreich aber einladend.
  • Pause/Sozialräume: warme Farben, Holztöne, gerne mehr Kontrast und Lebendigkeit als im Büro.

Farbe und Raumwirkung:

Helle Farben lassen Räume größer wirken, dunkle Farben verkleinern und können niedrige Decken zusätzlich bedrücken. Eine dunkle Stirnwand in einem langen Raum verkürzt diesen optisch, eine helle macht ihn länger. In nordlichtbeschienenen Räumen wirken kalte Farben oft zu kühl, dort lohnt sich ein wärmerer Grundton. Südfenster mit viel Sonne vertragen kühlere Farben gut. Wer unsicher ist, testet drei Musterflächen von je etwa einem Quadratmeter an verschiedenen Wänden und beobachtet sie über zwei bis drei Tage zu unterschiedlichen Tageszeiten.

CI-Farben einbauen:

Die Corporate-Identity-Farben des Unternehmens gehören sichtbar ins Büro, aber dosiert. Eine ganze Wand in Firmenrot wirkt schnell aufdringlich und nach drei Wochen anstrengend für die Augen. Klüger sind Akzente: ein farbiger Trennvorhang, ein Möbelstück in CI-Farbe, das Logo auf der Empfangstheke, farbige Kabelkanäle. So bleibt die Marke präsent, ohne den Raum zu erschlagen. Im Empfangsbereich darf die CI-Farbe stärker durchscheinen als in den Arbeitsräumen, hier ist sie Marke statt Lebensumgebung.

Häufige Fehler:

  • Mehr als drei Hauptfarben in einem Raum, das Auge findet keinen Ruhepunkt.
  • Knallige Akzentfarbe auf großen Flächen, ermüdet schnell.
  • Komplementärkontraste (Rot/Grün, Blau/Orange) zu intensiv eingesetzt, wirkt wie ein Verkaufsraum.
  • Vergessen, das Tageslicht zu testen, Farben sehen morgens, mittags und abends unterschiedlich aus.
  • Möbelfarbe nicht auf den Boden abgestimmt, das wird zur sichtbaren Stilbruchstelle.

Farbauswahl im Mittelstand:

Im Mittelstand reicht meist eine schlichte Farbpalette mit drei bis fünf Tönen, die schriftlich festgehalten und konsequent durchgezogen wird. Diese Palette wird einmal entwickelt, etwa zusammen mit dem Architekten oder einem Innenausstatter, und dann über mehrere Jahre angewendet. Bei jeder neuen Bestellung von Möbeln, Vorhängen oder Wandfarbe schaut man in die Palette, das verhindert das schleichende Hinzufügen von Stilbrüchen. Eine Aktualisierung alle fünf bis sieben Jahre genügt, sonst wirkt das Büro irgendwann aus der Mode.

Synonyme:

  • Farbgestaltung
  • Farbkonzept
  • Color Design
  • Farbpalette

Abgrenzung zu:

  • Corporate Identity: umfasst alle Markenelemente, Farbe ist davon ein Teilbereich.
  • Bürodekoration: Schmuck und Accessoires, oft farblich geprägt aber breiter aufgestellt.
  • Bürogestaltung: Oberbegriff für die räumliche Planung, Farbe ist ein Element davon.
  • Lichtplanung: wirkt eng mit der Farbwirkung zusammen, ist aber ein eigenes Fach.

Siehe auch:

  • Bürogestaltung
  • Bürodekoration
  • Corporate Identity
  • Empfangsbereich
  • Beleuchtung

Literaturhinweise:

  • Eva Heller: „Wie Farben wirken. Farbpsychologie, Farbsymbolik, kreative Farbgestaltung“, Rowohlt, aktuelle Auflage.
  • Frank Mahnke: „Color, Environment and Human Response“, Wiley, Standardwerk zur Farbpsychologie im Raum.
  • RAL-Farbsystem (RAL Classic, RAL Design) als Referenz für Farbtonbestimmung in Architektur und Innenausbau.
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