Bürodekoration

Definition:

Bürodekoration bezeichnet die bewusste Gestaltung der sichtbaren Oberflächen und Atmosphäre eines Büros durch Farben, Wandobjekte, Pflanzen, Textilien, Licht und Accessoires. Sie ist der Teil der Bürogestaltung, der nicht konstruktiv ist und auch nicht primär ergonomische Funktion erfüllt, sondern Stimmung, Markenwahrnehmung und Wohlbefinden prägt. In der Praxis wird sie oft stiefmütterlich behandelt, obwohl sie den ersten Eindruck eines Besuchers innerhalb weniger Sekunden zementiert und die Aufenthaltsqualität für Mitarbeitende über den Arbeitstag hinweg bestimmt.

Historisch wurde die Dekoration von Büroräumen lange Zeit als reine Repräsentationsaufgabe verstanden, typisch für Chefbüros der 1950er- und 60er-Jahre mit Holzvertäfelung und Lederstühlen. Mit dem Aufkommen des Gruppen- und Großraumbüros in den 70er-Jahren verlagerte sich der Fokus auf standardisierte, eher anonyme Einrichtung. Erst seit den späten 1990er-Jahren, angetrieben durch Studien zu Farbpsychologie (Faber Birren, Max Lüscher) und zum Biophilic Design (Edward O. Wilson, 1984), wird Dekoration wieder als strategisches Gestaltungsmittel gedacht, das messbar auf Konzentration, Stresslevel und Arbeitszufriedenheit wirkt.

Die 6 Gestaltungselemente der Bürodekoration Sechs Kacheln mit den Hauptelementen der Bürodekoration: Farbe, Wandgestaltung, Pflanzen, Textilien, Licht, Accessoires. Die 6 Elemente der Bürodekoration 1. FARBE Wände, Akzente Farbpsychologie, Corporate Design 2. WANDGESTALTUNG Kunst, Grafiken Prints, Fotografien, Akustikpaneele 3. PFLANZEN Biophilic Design Zimmerpflanzen, Moosbilder, Vertical 4. TEXTILIEN Teppiche, Vorhänge Akustik und Haptik im Raum 5. LICHT Akzent, Ambiente Stehleuchten, Tischlampen 6. ACCESSOIRES Objekte, Vasen Bücher, Skulpturen, Uhren, Textildrucke Gute Bürodekoration kombiniert mindestens 3 dieser 6 Elemente zu einem konsistenten Gesamtbild.
Die sechs Gestaltungselemente der Bürodekoration im Überblick.

Die sechs Gestaltungselemente im Detail:

Farbe: Wandfarben, Akzentflächen und farbige Möbel prägen die Grundstimmung. Warme Erdtöne und gedämpftes Grün wirken beruhigend und eignen sich für Fokusarbeit. Kräftige Akzente in Orange, Rot oder Gelb aktivieren und werden gezielt in Meetingzonen oder Kreativräumen eingesetzt. Die DIN 5035 und die Arbeitsstättenverordnung liefern keine konkreten Farbvorgaben, wohl aber Anforderungen an Helligkeit und Kontrast, die bei jeder Farbwahl mitzudenken sind.

Wandgestaltung: Bilder, Fotografien, Kundenreferenzen oder großformatige Grafiken geben Wänden Profil. Seit einigen Jahren werden dekorative Akustikpaneele immer beliebter, weil sie gleich zwei Aufgaben erfüllen: Gestaltung und Nachhall-Reduktion. Bei der Auswahl hilft ein klares Konzept mit einem Leitthema pro Zone, statt Einzelbilder beliebig zu mischen.

Pflanzen: Zimmerpflanzen, Moosbilder und vertikale Grünwände sind der sichtbarste Ausdruck des Biophilic Design. Eine viel zitierte Studie der University of Exeter und der Cardiff University aus dem Jahr 2014 kam zu dem Ergebnis, dass begrünte Büros im Vergleich zu nüchternen Räumen eine rund 15 Prozent höhere Produktivität und eine spürbare Steigerung der Zufriedenheit erzeugen. Pflanzen verbessern zusätzlich die Luftfeuchte und binden Staub.

Textilien: Teppiche, Vorhänge, Polsterbezüge und Sitzkissen bringen Haptik in den Raum und dämpfen gleichzeitig den Schall. Besonders in Lounge- und Besprechungsbereichen sind textile Elemente oft der einfachste Hebel, um eine Bürofläche wohnlicher wirken zu lassen. Passende Lounge-Möbel mit weichen Bezügen sind in modernen Office-Konzepten ein gängiger Baustein.

Licht: Während die Grundbeleuchtung nach DIN EN 12464-1 und ASR A3.4 mindestens 500 Lux am Arbeitsplatz vorschreibt, übernimmt dekoratives Licht eine andere Aufgabe: Es schafft Zonen, betont Wandbilder, entspannt in Pausenbereichen. Stehleuchten, Tischlampen und Pendelleuchten ergänzen die Deckenbeleuchtung und machen große Flächen erst atmosphärisch.

Accessoires: Vasen, Skulpturen, Bücher, Uhren oder Textildrucke sind die Feinabstimmung. Sie wirken im Einzelnen unscheinbar, machen aber den Unterschied zwischen einer möblierten Fläche und einem gestalteten Raum. Die Gefahr: zu viel davon kippt schnell in Unruhe, zu wenig wirkt steril.

Farbpsychologie und Biophilic Design:

Zwei Konzepte prägen die moderne Bürodekoration besonders stark. Die Farbpsychologie, maßgeblich geprägt von Faber Birren (1900 bis 1988) und dem Schweizer Psychologen Max Lüscher, ordnet Farben bestimmte Wirkungen zu: Blau senkt nachweislich den Puls, Grün entspannt das Auge, warme Rottöne regen Kommunikation an. Im Büro wird selten reine Farbtheorie angewendet, sondern eine moderate Kombination, die zur Unternehmenskultur passt.

Biophilic Design geht auf den Biologen Edward O. Wilson und sein Buch „Biophilia“ von 1984 zurück. Die These: Menschen haben eine angeborene Affinität zur Natur, und Räume mit natürlichen Materialien, Tageslicht und Pflanzen reduzieren Stress messbar. In der Büropraxis heißt das: Holz statt Laminat an Sichtflächen, großzügige Fenster, echte Pflanzen statt Kunststoff, organische Formen in Möbeln. Das Konzept ist heute fester Bestandteil der WELL Building Standard-Zertifizierung, die Gebäude nach ihrer Wirkung auf die Gesundheit ihrer Nutzer bewertet.

Praxis im KMU:

In kleinen und mittleren Unternehmen scheitert Bürodekoration selten am Geld, sondern an drei anderen Punkten:

  • Fehlendes Gesamtkonzept: Jeder Raum wird einzeln bestückt, oft aus Resten vom Umzug oder spontanen Anschaffungen. Das Ergebnis wirkt zusammengewürfelt.
  • Zu viele Farben und Stile gleichzeitig: Drei unterschiedliche Möbelserien, vier Teppichmuster und Kunst aus drei Jahrzehnten ergeben selten ein stimmiges Bild.
  • Pflege wird unterschätzt: Pflanzen verdorren, Bilder hängen schief, Accessoires verstauben. Ohne verantwortliche Person im Team kippt jedes Konzept nach sechs Monaten.

Pragmatische Lösung für KMU: ein schlichtes Moodboard, zwei Leitfarben plus eine Akzentfarbe, ein Raumkonzept pro Zone (Empfang wohnlich, Arbeitsbereich nüchtern, Meetingraum aktivierend) und eine Person, die sich einmal pro Quartal eine Stunde Zeit nimmt, um Pflanzen und Accessoires zu pflegen.

Dos und Don’ts der Bürodekoration Fünf praxisnahe Regeln für stimmige Bürodekoration in KMU. Fünf Regeln für stimmige Bürodekoration Praxis-Checkliste Leitfarben festlegen 2 Hauptfarben plus 1 Akzentfarbe reichen für ein stimmiges Bild. Zonen statt Einheitslook Empfang wohnlich, Arbeitsplatz nüchtern, Meeting aktivierend. Echte Pflanzen einplanen Mindestens 1 Pflanze pro 10 m². Pflege-Verantwortung klar benennen. Akustik mitdenken Teppiche, Vorhänge, Akustikpaneele senken Nachhall und Stresslevel. Weniger ist mehr Lieber 3 starke Elemente als 15 belanglose Accessoires. Erste Priorität: Konzept vor Einzelstück.
Fünf praxistaugliche Regeln, die aus zusammengewürfelter Deko ein Konzept machen.

Relevanz im Arbeitsalltag:

Wer Bürodekoration als Kostenposition sieht, unterschätzt ihren Hebel. Besucher bilden sich innerhalb der ersten sieben Sekunden eine Meinung über ein Unternehmen, lange bevor das erste Wort gesprochen ist. Dieser erste Eindruck wird maßgeblich von Empfangsbereich und Lounge geprägt, nicht von technischer Ausstattung. Parallel dazu verbringt ein durchschnittlicher Angestellter rund 1.700 Stunden pro Jahr im Büro: Die Qualität der Umgebung schlägt sich in Konzentrationsfähigkeit, Krankenstand und Bleibewahrscheinlichkeit nieder.

Eine gut geplante Dekoration ersetzt keine Ergonomie, sie ergänzt sie. Sie ist der letzte Schliff, der aus einer funktionalen Fläche einen Ort macht, an dem Menschen gerne arbeiten. In der professionellen Büroplanung werden Möbel, Akustik, Licht und Dekorationsebene als zusammenhängendes Konzept gedacht, nicht als Einzelgewerke.

Synonyme:

  • Büroausstattung (dekorativer Teil)
  • Büroeinrichtung (im engeren Sinne)
  • Office Design (Dekoration)
  • Raumdekoration im Büro
  • Büro-Interieur

Abgrenzung zu:

  • Innenarchitektur: umfasst bauliche und planerische Raumgestaltung inklusive Wandaufbau, Bodenaufbau und Grundriss. Dekoration ist ein Teilaspekt davon.
  • Ergonomie: beschäftigt sich mit der gesundheitsgerechten Anpassung von Möbeln an den Menschen. Dekoration kann ergonomische Wirkung unterstützen, ist aber nicht ihr Kern.
  • Büroplanung: ganzheitlicher Prozess aus Analyse, Konzeption, Möblierung und Dekoration. Dekoration ist die letzte Phase.
  • Corporate Design: regelt die visuelle Markenidentität. Bürodekoration setzt diese im Raum um, ist aber nicht deckungsgleich.

Siehe auch:

Literaturhinweise:

  • Wilson, Edward O. (1984): Biophilia. Harvard University Press, Cambridge.
  • Birren, Faber (1978): Color and Human Response. Van Nostrand Reinhold, New York.
  • Nieuwenhuis, M. et al. (2014): The relative benefits of green versus lean office space. Journal of Experimental Psychology: Applied, 20(3), 199-214.
  • International WELL Building Institute: WELL Building Standard v2. New York, 2020.
  • Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA): Leitfaden Gesunde Arbeit im Büro.
« Alle Begriffe im Unternehmenslexikon anzeigen