Hybride Meetings? Die schlimmsten: So wird Meeting-Kultur besser (Podcast Folge 28)

Meetings koennen Teams verbinden, Tempo schaffen und Entscheidungen leichter machen. Oder sie kosten Zeit, Nerven und Konzentration. In Folge 28 sprechen Paul und Henry darueber, welche Meeting-Fehler im Buero immer wieder passieren, warum hybride Meetings besonders anspruchsvoll sind und welche einfachen Regeln wirklich helfen.

Warum Meeting-Kultur nicht von allein entsteht

Henry: Paul, wir haben heute ein paar kleine Themen mitgebracht, und das erste sind Meeting-Fehler. Da gibt es bestimmt ein paar, die man machen kann, oder?

Paul: Da gibt es eine ganze Menge. Vielleicht fangen wir mal damit an, wie wir es selbst machen und was wir daraus gelernt haben. Gerade im Startup war Meeting-Kultur ja am Anfang eher: Wir quatschen einfach frei und wild miteinander. Vieles ist am Kaffeetisch passiert, in der Pause oder bilateral zwischen zwei Leuten.

Henry: Also nicht dieses klassische: Wir setzen uns jetzt alle in einen Raum, haben eine Agenda und arbeiten die sauber ab.

Paul: Genau. Mehr Struktur kam erst spaeter rein, vor allem in den Teams. Richtig deutlich wurde es dann in der Corona-Zeit. Ploetzlich waren viele im Homeoffice, der Austausch an der Kaffeemaschine war weg, und wir mussten irgendwie Transparenz schaffen. Was macht Abteilung XY? Woran arbeiten wir gerade? Was passiert im Unternehmen?

Henry: Daraus ist dann unser Montagsmeeting entstanden. Andere nennen das Weekly, aber im Kern geht es darum, alle kurz abzuholen.

Paul: Und kurz ist da wirklich das wichtige Wort. Eine halbe Stunde ist eigentlich schon fast zu lang. Wir versuchen eher, das auf 15 Minuten zu begrenzen. Es ist ein Update, kein Ort, um jedes Thema auszudiskutieren.

Kurze Updates statt endloser Diskussionen

Henry: Genau da liegt wahrscheinlich einer der groessten Fehler: Meetings werden ueberlang. Eigentlich geht es nur um ein Update, und auf einmal diskutiert man sich irgendwo fest.

Paul: Dagegen helfen klare Regeln. Ein Meeting sollte immer jemanden haben, der es terminiert, moderiert oder zumindest die Verantwortung uebernimmt. Diese Person hat die Zeit im Blick, laesst alle zu Wort kommen und faengt auch ab, wenn man ploetzlich in ein anderes Thema rutscht.

Henry: Also nicht jedes Nebenthema direkt mit in die Runde ziehen.

Paul: Genau. Wenn ein Thema nur zwei Leute betrifft, dann klaert ihr das danach bilateral. Wenn es ein neues groesseres Thema ist, setzt ein eigenes Meeting dafuer an. Nichts ist nerviger, als wenn ein Meeting zwei Stunden ueberzieht und danach die komplette Tagesplanung nicht mehr funktioniert.

Henry: Und meistens ist es dann ja nicht einmal zielfuehrend. Wenn man vom Thema abschweift, kommt man selten zu einer guten Loesung. Gleichzeitig sitzen Leute dabei, die es gar nicht betrifft.

Paul: Deshalb ist Zeitdisziplin kein Selbstzweck. Sie ist Respekt vor der Zeit der anderen. Ein gutes Meeting hat ein klares Ziel, einen Rahmen und am Ende ein Ergebnis oder zumindest einen naechsten Schritt.

Ohne Protokoll bleibt oft nichts haengen

Paul: Was fuer mich noch sehr wichtig ist: Protokollierung. Wenn man ein Meeting macht, sollte man dokumentieren, was daraus entstanden ist. Wir nutzen Confluence und Jira, aber am Ende kann es auch ein Zettel und ein Stift sein.

Henry: Wichtig ist vor allem, dass konkrete Aufgaben entstehen. Wenn alle nur sagen: Ja, gute Idee, muesste man mal machen, dann passiert danach oft nichts. Nicht aus Bosheit, sondern weil alle wieder im Tagesgeschaeft stecken.

Paul: Genau. Wer macht was bis wann? Das muss klar sein. Sonst sitzt man im naechsten Folgemeeting wieder da und stellt fest: Eigentlich hat niemand etwas erledigt, weil es niemandem richtig gehoert hat.

Henry: Und dann entsteht schnell dieser Gedanke: Warum bin ich hier eigentlich? Wenn Menschen merken, dass aus Meetings nie etwas herauskommt, schalten sie innerlich ab.

Paul: Dann kommt das Handy raus, nebenbei werden Mails gelesen oder es wird an anderen Aufgaben gearbeitet. Deshalb gehoeren auch solche Regeln dazu: Handy weg, Kamera an, wenn es online oder hybrid ist, und wirklich beim Thema bleiben. Wir sind da selbst nicht perfekt, aber genau deswegen muss man es bewusst machen.

Hybride Meetings brauchen mehr Fuehrung

Henry: Gerade bei hybriden Meetings merkt man schnell, wie leicht Menschen verloren gehen. Vier sitzen im Raum, zwei sind digital zugeschaltet, und ploetzlich redet nur noch der Raum miteinander.

Paul: Das passiert nicht einmal boeswillig. Aber es passiert schnell. Deshalb braucht es im hybriden Meeting jemanden, der die Online-Teilnehmer aktiv einbindet. Also wirklich fragt: Was ist deine Meinung dazu? Was hast du zum Thema zu sagen?

Henry: Kamera hilft da auch. Man sieht Gestik, Mimik und merkt eher, ob jemand noch dabei ist oder schon innerlich raus ist.

Paul: Ja. Und bei Brainstormings wird es noch schwieriger. Informative Meetings koennen hybrid funktionieren, wenn sie sauber moderiert sind. Diskussionen brauchen schon mehr Struktur. Aber Brainstorming ist hybrid oft das gefaehrlichste Format.

Henry: Weil die einen am Whiteboard stehen und die anderen digital irgendwo daneben haengen.

Paul: Genau. Wenn auch nur eine Person digital dabei ist, muss man eigentlich ins digitale Medium gehen. Dann arbeitet man mit einem digitalen Whiteboard, teilt den Bildschirm und sorgt dafuer, dass alle am selben Ort arbeiten. Nur online oder nur offline funktioniert meistens besser als halb analog und halb digital.

Henry: Fuer mich sind die besten Brainstormings trotzdem oft die an der Kaffeemaschine. Da entstehen manchmal die duemmsten, aber gleichzeitig sinnvollsten Ideen.

Paul: Dann muss man sie nur direkt aufschreiben. Sonst sind sie wieder weg.

Muss es ueberhaupt ein Meeting sein?

Henry: Vielleicht sollte man vor jedem Termin zuerst fragen: Muss es wirklich ein Meeting sein?

Paul: Absolut. Wenn es nur ein Status-Update oder eine Entscheidung ist, reicht vielleicht eine Mail, eine Nachricht im Teamchat oder eine kurze Vorab-Feedbackrunde. Dann kann man aus den Rueckmeldungen eine bessere Agenda bauen, falls danach wirklich noch ein Meeting noetig ist.

Henry: Das Toedlichste ist, wenn man fuer Dinge Meetings macht, die man viel schneller haette kommunizieren koennen.

Paul: Und genauso wichtig ist Puenktlichkeit. Das gehoert fuer mich auch zur Fuehrung und zum Respekt. Puenktlich anfangen, pünktlich da sein, nicht staendig ueberziehen. Jede Zeit ist kostbar. Wenn man nicht fertig wird, muss man vertagen oder sauber neu planen.

Henry: Am Ende ist Meeting-Kultur nichts Kompliziertes. Aber man muss sie bewusst gestalten. Sonst frisst sie sich einfach in den Kalender.

Takeaways aus Folge 28

  • Kurze Update-Meetings sollten kurz bleiben. 15 Minuten reichen oft aus.
  • Jedes Meeting braucht eine klare Moderation, ein Ziel und einen zeitlichen Rahmen.
  • Protokolle und konkrete Aufgaben sorgen dafuer, dass aus Gespraechen echte Ergebnisse werden.
  • Hybride Meetings muessen aktiv moderiert werden, sonst gehen digitale Teilnehmer schnell verloren.
  • Brainstormings funktionieren am besten, wenn alle im gleichen Medium arbeiten: entweder alle vor Ort oder alle digital.
  • Vor jedem Termin lohnt die Frage: Braucht es wirklich ein Meeting oder reicht eine kurze Nachricht?

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