Was zum Teufel ist ein STS? Bürosprache, Abkürzungen und Team-Slang (Podcast Folge 38)

Jede Branche hat ihre eigenen Kürzel, jedes Büro seine eigene Sprache. In Folge 38 sprechen Paul und Henry im dritten Teil des Sommer-Specials über genau diese kleinen Codes im Arbeitsalltag: STS, OH, ASAP, FYI, Action Items, Slots und die Sprüche, die in Teams irgendwann ganz selbstverständlich werden. Lustig ist das oft. Aber manchmal merkt man erst bei neuen Kolleginnen und Kollegen, dass die eigene Bürosprache auch ausschließen kann.

Paul: Willkommen beim Büroexperte Podcast. Heute wieder mit Henry im Sommerinterview, Teil drei. Jetzt wird es ganz wild. Mal gucken, ob wir da zehn Minuten zusammenkriegen. Ich hoffe, es wird entspannt und lustig. Es geht um die wichtigste Abkürzung im Büro.

Henry: Ich grüße dich, Paul.

Paul: Hi. Warte. Mahlzeit.

Henry: Erstmal keine Abkürzung. Mahlzeit.

Paul: Das ist einfach ein Synonym für Mittagessen. Bei manchen aber auch nicht.

Henry: Das stimmt. Moin.

STS, OH und die Sprache der Möbelbranche

Paul: Gut, also Thema heute: Wir nennen es mal Bürosprache, auch Thema Abkürzungen. Henry, was fällt dir denn so ein?

Henry: Ich würde erstmal in den Raum werfen: Das hängt vielleicht auch von der Branche ab. Wenn wir jemandem etwas von einem STS erzählen, guckt der uns erstmal an. STS weiß ja nicht jeder.

Paul: Ein Schiebetürschrank. Ach Gott, ja. Oder OH?

Henry: OH sagt dir vielleicht nachher was. Aber STS und OH sind so die zwei Sachen, die mir sofort einfallen. Gerade im Kundengespräch passiert das schnell: Du guckst auf die Planung, siehst den Schrank, hast das Kürzel im Kopf und sagst einfach STS. Und der Kunde fragt dann völlig zurecht: Was ist denn das?

Paul: Weil es für uns selbstverständlich ist. STS ist der Schiebetürschrank, also ein Schrank mit Türen, die zur Seite laufen und nicht nach vorne aufgehen. Und OH ist dann die Ordnerhöhe.

Henry: Genau. In unserer Branche werden Schränke nach Ordnerhöhen eingeteilt. Ein Ordner ist ungefähr 31, 32 Zentimeter hoch, und wenn wir von einem 5-OH-Schrank sprechen, wissen wir: Da passen fünf Ordner übereinander rein. Das Außenmaß kann je nach Hersteller, Sockel oder Bauweise etwas variieren, aber das Innenmaß ist damit klar.

Paul: Mir fällt noch SST ein.

Henry: SST?

Paul: Sitz-Steh-Tisch.

Henry: Gar nicht. Gott, ich denke, ich bin in dieser Branche scheinbar nicht gut genug. Das saß nicht.

ASAP, FYI und warum Englisch im Meeting klebt

Paul: Dann gibt es natürlich diese typischen Bürofloskeln und Meeting-Abkürzungen. ASAP zum Beispiel.

Henry: As soon as possible. Sobald wie möglich.

Paul: Oder FYI, for your information. Also: Ich habe es dir noch mal geschickt, damit du informiert bist. Da denke ich manchmal: Okay, danke, warum schreibst du es nicht einfach aus?

Henry: Es gibt eben Begriffe, die sind sehr allgemein geworden. FYI, ASP für Ansprechpartner, solche Sachen. Aber dann gibt es auch welche, die hängen komplett an einer Szene oder an einer Generation.

Paul: THX nutze ich noch. GG aus der Gamersprache auch. Dann gucken dich manche Ältere an und fragen: Was ist denn GG?

Henry: Und die Jüngeren kennen es wahrscheinlich immer noch. Gerade in der Gaming-Szene ist das natürlich weiterhin ein Thema. Jede Bubble hat ihre eigenen Kürzel.

Paul: Das wäre eigentlich ein Thema für die Kommentare. Haut uns mal die schönsten Abkürzungen aus eurer Branche rein. Die wildesten, die keiner außerhalb eurer Welt versteht.

Action Items, Slots und das schlimme Ich nehme es mit

Henry: Was ich spannend finde: Es kommt unglaublich viel aus dem Englischen rüber. KISS zum Beispiel, keep it short and simple.

Paul: Ach so. Ich dachte gerade kurz an Küssen. Das wäre ziemlich wild gewesen.

Henry: Oder Biobreak. Also kurz auf Toilette. Das kann man sich noch herleiten, aber es klingt schon speziell.

Paul: Action Item ist auch so ein Ding. Das musst du jetzt erklären.

Henry: Ein Begriff für Aufgaben, die dringend erledigt werden müssen. Dann heißt es: Daraus machen wir jetzt ein Action Item.

Paul: Also das Thema, das ich heute noch auf dem Tisch habe, ist dann ein Action Item. Und dann gibt es noch: Hast du einen Slot frei? Wir reden zwar nicht über Glücksspiel, aber es klingt manchmal so.

Henry: Oder eskalieren. Das hört man in dieser typischen Meetingkultur immer häufiger. Dann bedeutet es: Wir geben das an die nächste Instanz oder an einen höheren Verantwortlichen weiter.

Paul: Und dann gibt es für mich das Unwort schlechthin: Ich nehme es mit. An sich ist das nicht verkehrt. Wenn du etwas klären musst, klar, nimm es mit. Aber wenn du das pausenlos hörst, denkst du irgendwann: Wie oft willst du das denn noch mitnehmen?

Henry: Wenn es immer um dasselbe Thema geht, verstehe ich das. Bei verschiedenen Meetings und verschiedenen Themen sehe ich es vielleicht nicht ganz so eng. Aber wahrscheinlich hörst du es einfach zu oft.

Paul: Bei uns natürlich niemals. Bei uns wird nichts mitgenommen, das wird gleich gemacht. Nein, Quatsch.

Wenn Teams ihre eigene Sprache entwickeln

Henry: Neben den offiziellen Kürzeln gibt es ja noch den eigenen Team-Slang. Also Begriffe, Sprüche und Formulierungen, die sich über Jahre einschleifen und die außerhalb des Teams vielleicht niemand versteht.

Paul: Genau. Wenn es ein gutes Team ist, dann wird manchmal ein bisschen eskaliert. Es fallen lockere Sprüche, die vielleicht nicht zwingend für die Außenwelt gedacht sind. Wenn die jemand von außen hört, fragt er sich erstmal: Was stimmt denn mit den Leuten nicht?

Henry: Das ist in einer sehr freien Kultur manchmal so. Menschen können dumm quatschen, ein paar härtere Sprüche raushauen, alle wissen, wie es gemeint ist, und es funktioniert innerhalb dieses Teams.

Paul: Aber genau da muss man aufpassen. Wenn neue Leute ins Team kommen oder wenn jemand mit diesem Sprachbild nichts anfangen kann, dann kann das schnell unangenehm werden. Nicht, weil es böse gemeint ist, sondern weil es von außen ganz anders wirken kann.

Henry: Und dann reicht es nicht zu sagen: Das war doch schon immer so. Wenn jemand sich unwohl fühlt, muss man darüber sprechen können. Vielleicht muss man die eigene Sprache dann auch hinterfragen.

Paul: Genau. Am Ende ist es wieder Kommunikation. Das zieht sich immer durch.

Die Geschichte vom Lars-Tag

Paul: Ich habe noch ein Beispiel: Lars-Tag. Das muss ich jetzt erklären. Lars-Tag ist bei uns im Prinzip ein Karenztag. In unserer Start-up-Phase gab es diverse Mitarbeitende und Praktikanten, und einer war Lars. Ein toller Mensch, das meine ich ernst. Aber er war nicht immer der Pünktlichste und manchmal einfach nicht da.

Henry: Das klingt fast ein bisschen nach Mobbing, da muss man aufpassen.

Paul: Ja, vielleicht ein bisschen. Wir waren jung und brauchten das Geld. Aber genau das ist der Punkt: Daraus ist ein Spruch entstanden, der sich bis heute gehalten hat, obwohl viele den Lars gar nicht mehr kennen. Und wahrscheinlich gibt es solche internen Begriffe in vielen Unternehmen.

Henry: Das ist ein gutes Beispiel dafür, wie sich Sprache etabliert. Und wenn neue Leute reinkommen und fragen: Was ist denn das?, dann ist das auch eine Chance, sich selbst zu hinterfragen. Passt das noch zu uns? Ist das noch adäquat? Oder müssen wir unsere Kultur ein Stück nachjustieren?

Paul: Genau. Und damit freuen wir uns auf Kommentare. Bitte ganz viele Kommentare mit den krassesten Abkürzungen aus eurer Branche. Das würde uns extrem interessieren.

Das bleibt aus Folge 38 hängen

Bürosprache kann praktisch sein, weil sie Abläufe verkürzt und Zugehörigkeit schafft. STS, OH, FYI oder Action Item funktionieren aber nur, wenn alle wissen, was gemeint ist. Gerade bei Kundinnen, Kunden oder neuen Mitarbeitenden lohnt es sich, die eigenen Kürzel und internen Sprüche bewusst zu erklären. Und wenn Team-Slang irgendwann härter klingt, als er gemeint ist, ist das kein Drama, sondern ein guter Anlass, die eigene Kultur nachzujustieren.


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