Empfangsstühle

Empfangsstühle sind Sitzmöbel im Wartebereich von Unternehmen, Praxen, Behörden oder Hotels. Sie überbrücken die Zeit zwischen Ankunft und Termin, prägen den ersten Sinneseindruck der Gäste und tragen messbar zum Wohlfühlfaktor bei. Anders als klassische Bürostühle stehen bei Empfangsstühlen nicht Ergonomie für acht Stunden Bildschirmarbeit im Vordergrund, sondern Komfort für 5 bis 30 Minuten, Robustheit gegen viele Wechselnutzer und ein gestalterischer Beitrag zur Markenwirkung.

Im typischen Empfangsbereich sind Empfangsstühle nicht das einzige Möbelstück, sondern Teil einer Komposition aus Stühlen, Beistelltischen, Garderobe und ggf. Sofa. Die Auswahl orientiert sich an der Frequenz (wenige Gäste pro Tag oder ein konstanter Strom), an der durchschnittlichen Wartezeit und an der Corporate Identity. Ein steriles Lounge-Sofa passt nicht in eine Maler-Werkstatt, ein knallroter Designerstuhl nicht in eine Steuerkanzlei.

Vier Bauarten von Empfangsstühlen Freischwinger, Lounge-Sessel, Hocker und Polsterstuhl als typische Empfangsstuhl-Varianten. Vier typische Bauarten FREISCHWINGER Klassiker Stahlrohr, federnd LOUNGE-SESSEL Repräsentativ tiefes Sitzen, Leder HOCKER Flexibel stapelbar, schmal POLSTERSTUHL Allrounder vier Beine, gepolstert, Stoff oder Kunstleder
Welcher Stuhl passt, hängt von der typischen Wartezeit, der Markenwirkung und der Wechselfrequenz ab.

Worauf bei der Auswahl zu achten ist:

  • Sitzhöhe und Sitztiefe: klassisch 45 cm Sitzhöhe und 42 bis 45 cm Sitztiefe, damit auch ältere Gäste leicht aufstehen können.
  • Rückenlehne: deutlich kürzer als beim Bürostuhl, mit leichter Schräge nach hinten für entspannte Haltung.
  • Armlehnen: hilfreich beim Aufstehen, vor allem im medizinischen Kontext oder bei Senioren-Klientel.
  • Bezug: abwischbar (Kunstleder, beschichteter Stoff) für hohe Frequenz, Naturmaterialien wie Wollstoff für gehobene Atmosphäre.
  • Brandschutz: Polster nach DIN EN 1021 oder Crib 5 für öffentliche Bereiche, einige Bundesländer fordern bei Hotels und Kliniken zusätzlich höhere Klassen.
  • Stapelbarkeit: wichtig bei Mehrzwecknutzung, etwa wenn der Bereich zeitweise zur Schulungsfläche wird.
  • Gewichtsklasse: Standard bis 110 kg, Schwerlast-Modelle bis 150 kg für stark frequentierte Bereiche.

Anordnung im Empfangsbereich:

Eine ruhige, übersichtliche Anordnung wirkt einladender als ein eng gestelltes Halbrund. Bewährt hat sich eine lockere Gruppe aus zwei Sesseln und einem zweisitzigen Element um einen kleinen Tisch herum, oder eine Sitzbank entlang der Wand mit drei bis fünf Stühlen. Der Sichtkontakt zur Empfangstheke sollte erhalten bleiben, damit Gäste sehen, wenn sie aufgerufen werden. Pro Sitzplatz reicht eine Standfläche von etwa 60 mal 60 Zentimetern, plus Bewegungszone von 80 cm vor jedem Stuhl.

Empfangsstühle im Mittelstand:

Im Mittelstand wird beim Empfangsbereich oft zu lange am gleichen Bestand festgehalten. Die alten Stühle aus der Praxisgründung werden zur unausgesprochenen Visitenkarte und passen irgendwann weder optisch noch komforttechnisch zur Marke. Ein zwei- bis dreijähriger Erneuerungszyklus für Polster und etwa zehn Jahre für die Stuhlgestelle ist eine sinnvolle Faustregel. Wer das Budget knapp hat, fängt mit den vorderen, sichtbarsten Plätzen an und tauscht in Etappen.

Synonyme:

  • Wartestühle
  • Besucherstühle
  • Foyermöbel
  • Loungestühle (bei niedrigen Modellen)

Abgrenzung zu:

  • Bürostuhl: ergonomisch für ganztägige Bildschirmarbeit, höhenverstellbar, mit Rollen.
  • Konferenzstuhl: für mehrstündige Meetings, mit höherer Rückenlehne und festen Beinen.
  • Lounge-Möbel: Oberbegriff für entspanntes Sitzmobiliar, Empfangsstühle sind eine Untergruppe davon.
  • Kantinenstuhl: auf häufiges Stapeln und schnelle Reinigung optimiert, im Empfang weniger repräsentativ.

Siehe auch:

Literaturhinweise:

  • DIN EN 16139: „Möbel – Festigkeit, Dauerhaltbarkeit und Sicherheit. Anforderungen an Sitzmöbel für den Nicht-Wohnbereich“.
  • DIN EN 1021-1 und 1021-2 zum Brandverhalten von Polstermöbeln.
  • Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) und ASR A1.2 zu Bewegungsflächen in Empfangs- und Wartebereichen.
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